Tag-Archiv für 'irland'

Sinn Féin im Aufwind

Gery Adams, Sinn Féin
Gery Adams, Präsident von Sinn Féin. Foto: flickr/David Trattnig (CC BY 2.0)

Die Linkspartei ist vor den Wahlen in Irland so stark wie nie. Florian Osuch, junge Welt, 23.02.2016
An diesem Freitag wird in Irland ein neues Parlament gewählt. Umfragen sagen einen deutlichen Zuwachs an Stimmen für die linksrepublikanische Sinn Féin voraus. Bei den letzten Parlamentswahlen im Februar 2011 kam sie auf 9,9 Prozent, nun kann die Partei mit einem doppelt so hohen Ergebnis rechnen. Das Handelsblatt schreibt bereits von griechischen Verhältnissen und spricht von »wenig erfreulichen Aussichten für Investoren«. Laut Prognosen kommt die rechtskonservative Fine Gael von Ministerpräsident Enda Kenny trotz Verlusten erneut auf den ersten Platz. (mehr…)

Sexkauf unter Strafe

Sex Workers Alliance IrelandNeues Gesetz in Nordirland: Kunden von Prostituierten müssen mit Haft und Geldbußen rechnen. Hurenorganisationen fürchten mehr Unsicherheit im Gewerbe. Florian Osuch junge Welt 5.6.2015
Seit dem 1. Juni wird in Nordirland mit Gefängnis von bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafen von bis zu 1.000 Pfund bestraft, wer für sexuelle Dienstleistungen bezahlt. Frauen und Männer, die im Gewerbe tätig sind, befürchten in der Folge eine weitere Stigmatisierung. Kate McGrew von der gesamtirischen »Sex Workers Alliance Ireland« (SWAI) sagte der Irish Times, mit der Neuregelung würden die Rechte von Sexarbeiterinnen eingeschränkt. So sei es schwieriger, mit Freiern etwa über gerechte Bezahlung oder die Verwendung von Kondomen zu verhandeln. Die 36jährige sieht sogar das Leben ihrer Kolleginnen und Kollegen gefährdet. Die SWAI vertritt Sexarbeiter in der Republik Irland und im zu Großbritannien gehörenden Norden der Insel. In England, Schottland und Wales gibt es derartige Regelungen bislang nicht. (mehr…)

Strategische Feuerpause

Irisch-republikanisches Wandbild in Belfast
Irisch-republikanisches Wandbild in Belfast
Foto: flickr/PPCC Antifa (CC BY-NC-SA 2.0)

Vor 20 Jahren verkündete die IRA einen Waffenstillstand. Florian Osuch, junge Welt, 30.8.2014
Von bundesdeutschen Medien weitgehend unbeachtet, verstarb in der vergangenen Woche der ehemalige irische Ministerpräsident Albert Reynolds. Er war eine Schlüsselfigur im Friedensprozeß in Nordirland. Am 31. August 1994 erklärte die IRA einen einseitigen Waffenstillstand und ebnete den Weg für Verhandlungen zu einem dauerhaften Frieden. Gerry Adams, Vorsitzender der irisch-republikanischen Partei Sinn Féin, bezeichnete die Einstellung der IRA-Operationen vor 20 Jahren als »beispiellose Initiative einer ungeschlagenen Armee«. (mehr…)

Zivilcourage als Verbrechen

Niall Farrell und Margaretta D'Arcy außerhalb eines Gerichts in Irland
Niall Farrell und Margaretta D‘Arcy vor einem Gericht in Irland, Foto: Indymedia Irland

Irland: Haft für Friedensaktivisten nach Kundgebung gegen Kriegspolitik. Florian Osuch, junge Welt, 8.8.2014
In Irland ist der langjährige Friedensaktivist Niall Farrell wegen antimilitaristischer Proteste inhaftiert worden. Im Anschluß an eine Friedenskundgebung im Zentrum der westirischen Stadt Galway am vergangenen Sonnabend hatte sich der 61jährige der Polizei gestellt. Er wird im Gefängnis von Limerick festgehalten. Ein Bezirksgericht in Ennis hatte Farrell am 24. Juni wegen der Teilnahme an einer friedlichen Protestaktion auf dem Gelände des Flughafens Shannon zur Zahlung einer Geldstrafe verurteilt. Der in Belfast Geborene sollte zudem eine Erklärung unterzeichnen, in Zukunft auf politische Aktivitäten rund um den Flughafen zu verzichten. Da er beides verweigert hatte, kontaktierte ihn die irische Polizei während seines Sommerurlaubs in Berlin und forderte ihn auf, sich zu stellen. Auf der Friedenskundgebung am Sonnabend, kurz bevor sich Farrell in Haft begab, hatte er vor rund 50 Unterstützern darauf hingewiesen, daß genau vor 100 Jahren Irland in den Ersten Weltkrieg eingetreten war und 100 Jahre später Menschen »immer noch gegen Krieg aktiv« sind. (mehr…)

Aufschwung für Sinn Féin

Frischgewählte Abgeordnete von Sinn Féin im EU-Parlament: Liadh Ní Riada
Frischgewählte Abgeordnete im EU-Parlament: Liadh Ní Riada, Foto: Sinn Féin (CC BY 2.0)

Irische Linkspartei errang vier Sitze in Brüssel und Straßburg – drei für den Süden, einen für den Nordenl. Florian Osuch, Neues Deutschland, 31.5.2014
Etwas im Schatten der Ergebnisse in den Metropolen Europas blieb der Erfolg der irischen Linken bei den EU-Wahlen – sowohl im Süden als auch im Norden der Insel.

Die irische Linkspartei Sinn Féin ist überraschend stark aus den Wahlen zum Europäischen Parlament wie auch aus den parallel veranstalteten Kommunalwahlen hervorgegangen. In der unabhängigen Republik Irland gewann sie drei Sitze für das EU-Parlament, dort war sie bei den letzten Wahlen noch leer ausgegangen. In Nordirland, das zu Großbritannien gehört, gewann sie wie zuvor ein Mandat. (mehr…)

Drei Anläufe zu „Home Rule“

Premierminister Gladstone
Premierminister Gladstone

Großbritannien billigte Irland 1914 erstmalig Selbstbestimmungsrechte zu. Florian Osuch, junge Welt, 24.5.2014
Seit fast einhundert Jahren ist Irland geteilt. Der Norden der Insel gehört zu Großbritannien, der Süden ist unabhängige Republik. Die Aufspaltung Irlands wurde mit der Gründung des »Irish Free State« im Jahr 1922 besiegelt, die Grundlagen wurden allerdings früher gelegt.
Am 25. Mai 1914 verabschiedete das britische Parlament ein Gesetz mit der Bezeichnung ­»Home Rule« (englisch etwa Selbstregierung) und übertrug Irland Rechte der Selbstbestimmung. Der nordöstliche Teil der Insel blieb von den Regelungen ausgespart. Über 40 Jahre war die Home-Rule-Bewegung für eine Teilautonomie eingetreten. Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges durchkreuzte jedoch die Pläne, und in Irland erstarkten Forderungen nach einem radikalen Bruch mit England. (mehr…)

Friedensaktivistin in Haft

Protest gegen militärische Nutzung des Flughafen Shannon, Irland. Protest against military using of Shannon airport, Ireland
Shannon-Airport: Protest gegen US-Militär
flickr/Labour Youth (CC BY-NC-SA 2.0)

In Irland wird eine 79jährige seit Mitte Januar festgehalten. Sie hatte gegen das US-Militär demonstriert. Florian Osuch junge Welt 10.2.2014
In Irland sitzt seit Mitte Januar die bekannte Friedensaktivistin Margaretta D’Arcy im Gefängnis. Sie protestierte mit ihrer »Galway Alliance Against War« seit Jahren gegen die militärische Nutzung des Flughafen Shannon als Drehkreuz für das US-Militär. Die 79jährige wurde zu einer Art »Präventivhaft« verurteilt, weil sie es ablehnt, eine Erklärung zu unterzeichnen, sich fortan von dem Flughafen fernzuhalten. Die Friedensgruppen um D’Arcy hatten sich in der Vergangenheit auch Mitteln des zivilen Ungehorsams bedient, um gegen die Präsenz der US-Streitkräfte zu protestieren. (mehr…)

100 Jahre „Irish Volunteers“

Wandbild in Belfast, Irland zum Osteraufstand
Wandbild in Belfast zum Osteraufstand 1916 in Dublin
Foto: flickr/PPCC Antifa (CC BY-NC-SA 2.0)

In der Geschichte des irischen Freiheitskampfes blieb bislang nahezu jede Erhebung erfolglos. Bis heute streiten Iren für die uneingeschränkte Souveränität ihres Landes. Florian Osuch, Rotfuchs, 1.12.2013
Aber in nahezu jeder Generation wagten Mutige Revolten gegen die englische Krone. Dazu gehörten die vor 100 Jahren gegründeten Irish Volunteers. Es war die Zeit der Home Rule – von Bestrebungen zur teilweisen Selbstverwaltung Irlands. Erste Gesetze hatte es 1886 und 1893 gegeben. Bedeutende irische Freiheitskämpfer waren damals aktiv. Arthur Griffith zählte zu den Förderern irischer Kultur. Er gründete 1905 die Partei Sinn Féin. Der Gewerkschafter James Conolly hatte bereits 1896 die Irish Socialist Republican Party ins Leben gerufen. Der Arbeiterführer James Larkin war 1907 nach Belfast gekommen, um die meist katholischen Tagelöhner im Schiffsbau zu organisieren. (mehr…)

Für Irlands Freiheit

Belfast - Wandbild zum Easter Rising
Belfast, Wandbild zum Osteraufstand 1916
Foto: flickr/dannybirchall (CC BY-NC-SA 2.0)

Vor 100 Jahren entstanden die «Irish Volunteers». Aus der 1913 gegründeten Organisation ging später die historische IRA hervor.. Florian Osuch, SoZ, 1.11.2013
Seit Generationen treten in Irland Menschen für Demokratie und Selbstbestimmung ein. Die Geschichte des Freiheitskampfs ist jedoch tragisch. Bislang blieb nahezu jede Erhebung erfolglos. Noch immer hat Irland keine vollständige Souveränität. Großbritannien kontrolliert mit dem nordirischen Staatsgebilde bis heute einen beachtlichen Teil der Insel.Irische Freiheitskämpfer ließen sich von der Französischen Revolution inspirieren. Wolfe Tone, Gründer der United Irishmen (1791), wird bis heute verehrt. Eine Revolte, angeführt von Robert Emmet, schlug fehl (1803), ebenso die Battle of Ballingary (1848). Zehn Jahre später wurde in Dublin die Irish Republican Brotherhood gegründet. Sie war maßgeblich an einer Erhebung im Jahr 1867 sowie am Osteraufstand 1916 beteiligt.

Die Irish Volunteers entstanden vor 100 Jahren, im November 1913. Deren Entstehen stand im Zusammenhang mit der Home-Rule-Bewegung, das waren Bestrebungen zur stückweisen Selbstverwaltung Irlands. Erste Gesetze hatte es 1886 und 1893 gegeben. Anfang des 20. Jahrhundert erfuhr die Bewegung einen Aufschwung. (mehr…)

Polizeigewalt in Derry

Polizeigewalt in Derry - 1968 Jahren eskalierte in Nordirland der Protest für mehr Bürgerrechte
Wandbild in Derry
Foto: flickr/damiandude (CC BY-NC 2.0)

Vor 45 Jahren eskalierte in Nordirland der Protest für mehr Bürgerrechte. Florian Osuch, junge Welt, 5.10.2013

Fast 30 Jahre führte die Irisch Republikanische Armee (IRA) einen Guerillakrieg gegen die britische Besatzung. Inzwischen ist mit dem Friedensabkommen von 1998 eine relative Ruhe eingekehrt. Ein Auslöser für die Eskalation war das brutale Vorgehen der Polizei gegen die Bürgerrechtsbewegung Northern Ireland Civil Rights Association (NICRA) Ende der 1960er Jahre. So am 5. Oktober 1968, als die NICRA in Derry demonstrierte und die berüchtigte britische Polizei Royal Ulster Constabulary (RUC, auch »B-Specials« genannt) brutal gegen die Teilnehmer des Marsches vorging. Die anwesenden Fernsehteams sendeten die Bilder der prügelnden Polizisten um die Welt.

Irische Katholiken bildeten in Nordirland die Minderheit. Mit der Teilung des Landes Anfang der 1920er Jahre und der Gründung des »Irish Free State« (siehe jW vom 1.12.2012) hatte London im Norden einen spätkolonialen Zweiklassenstaat gegründet. Einen »Protestant State for Protestant People«. Iren wurden bei der Vergabe von Jobs und der Zuweisung von Sozialwohnungen diskriminiert. Es gab politische Verfolgungen, Schikanen durch die Polizei und ein eingeschränktes Wahlrecht. (mehr…)

Stippvisite hinterm Zaun

Demonstranten gegen G-8-Gipfel in Nordirland überwinden Absperrung. Florian Osuch, Enniskillen, junge Welt, 19.6.2013

Bei Protesten gegen den diesjährigen G-8-Gipfel in Nordirland haben Kapitalismusgegner am Montag abend Absperrungen überwunden. Im Anschluß an eine Demonstration in Enniskillen in der Region Fermanagh wurde eine Barriere aus Stacheldraht niedergerissen. Dutzende Aktivisten drangen in die »Rote Zone« rund um das Tagungshotel der Staats- und Regierungschefs aus Frankreich, Kanada, Deutschland, Japan, Großbritannien, Italien, den USA und Rußland ein. Sicherheitskräfte beobachteten die Ereignisse, griffen jedoch nicht ein. Nach etwa einer halben Stunde zogen sich die zumeist jungen Demonstranten zurück. (mehr…)

Für eine andere Welt

Demonstration am 15.6.2013 in Belfast
Demonstration am 15. Juni 2013 in Belfast (Foto: Florian Osuch)

Bunter Protest gegen G-8-Gipfeltreffen im Norden Irlands. Florian Osuch, junge Welt, 18.6.2013

Im Norden Irlands begann am Montag das jährliche Spitzentreffen der sieben reichsten westlichen Industrienationen plus Rußland. Ein mehrere Quadratkilometer umfassendes Gebiet um den Austragungsort in der ländlichen Region Fermanagh wurde zum gesperrten Bereich erklärt. Ein rund fünf Kilometer langer und drei Meter hoher Zaun riegelt die »Rote Zone« um das Luxushotel am See Erne ab, wo sich die Regierungsschefs von Kanada, Japan, den USA, Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien und Rußland treffen. Mehrere tausend Sicherheitskräfte sind zusammengezogen worden. Für die nord­irische Polizei ist es der bisher größte Einsatz seit Beginn des Friedensprozesses in Nordirland. Unterstützt wird der Police Service of Northern Ireland von mehreren tausend Kräften aus England und Schottland sowie von Beamten des britischen Geheimdienstes und dem der USA. Ab den frühen Morgenstunden kreisten Polizeihubschrauber über Belfast, und Straßen waren abgesperrt. (mehr…)

Festung Fermanagh

Demonstration am 15.6.2013 in Belfast
Demonstration am 15. Juni 2013 in Belfast (Foto: Florian Osuch)

Großdemonstration gegen G-8-Gipfel in Nordirland geplant. Polizei auf Ausschreitungen und Massenfestnahmen eingestellt. Florian Osuch, junge Welt, 15.6.2013
Dem Norden Irlands steht in den kommenden Tagen der größte Polizeieinsatz seit Beginn des Friedensprozesses bevor. Um das jährliche Spitzentreffen der sieben führenden westlichen Industrienationen plus Rußland abzuschirmen, sind mehrere tausend Sicherheitskräfte zusammengezogen worden. Die nordirische Polizei »Police Service of Northern Ireland« (PSNI) wird von 8000 Beamten aus England und Schottland unterstützt. Davon trafen die ersten 2000 Beamten bereits am Donnerstag abend ein. Nach Meldungen der Rundfunkanstalt BBC hatten sich die Männer und Frauen freiwillig für den Einsatz gemeldet. Von Ausbildern des PSNI wurden sie zuvor in Formen der Aufstandsbekämpfung trainiert, wie sie seit Jahren in der Unruheprovinz praktiziert werden. (mehr…)

Abgehängt – Zum Flaggenstreit in Nordirland

belfast union jack flag
flickr/MissCopenhagen
CC BY-NC-ND 2.0

In Nordirland eskaliert der Flaggenstreit. Britisch-protestantische Unterschicht sieht sich als Verlierer im Friedensprozeß. Florian Osuch, junge Welt, 10.1.2013
Gestern zierte erstmalig seit dem im Nordirland entbrannten Flaggenstreit wieder die britische Fahne das Rathaus von Belfast. Anlaß ist der 31. Geburtstag von Kate Middleton, Herzogin von Cambridge und Gattin des englischen Prinzen William. Dies konnte jedoch nicht verhindern, daß es in der sechsten Nacht in Folge zu Ausschreitungen kam. Im mehrheitlich von britischen Protestanten bewohnten Ostbelfast lieferten sich vor allem Jugendliche Krawalle mit der Polizei. Britische Flaggen schwenkende Anwohner blockierten eine zentrale Brücke, später am Abend wurden Steine und Benzinbomben auf Sicherheitskräfte geworfen.

Seit nunmehr fünf Wochen kommt es im Norden Irlands fast jeden Tag zu Protesten. Probritisch eingestellte Einwohner der Provinz kritisieren die Entscheidung des Stadtparlaments von Belfast, den Union Jack nur noch an bestimmten Tagen über dem Rathaus wehen zu lassen und nicht wie bisher das ganze Jahr über. Diese Praxis würde die britische Identität bedrohen, heißt es, obwohl das nordirische Parlament in Stormont ein ganz ähnliches Verfahren praktiziert. Die Entscheidung war ein Kompromiß. Während die irische Linkspartei Sinn Féin am liebsten ganz auf das verhaßte Banner verzichtet hätte, wollten die britischen Parteien am Status quo festhalten. Die Einigung kam nur zustande, weil die kleine liberale Alliance Party für den Kompromiß votierte. Daraufhin entlud sich zunächst der Zorn gegen Einrichtungen dieser überkonfessionellen Partei. Büros wurden verwüstet und Abgeordnete mit dem Tode bedroht. Insgesamt wurden in den vergangenen Wochen rund hundert Randalierer festgenommen, 60 Polizisten verletzt. (mehr…)

Irland: Teilung zementiert

Ireland, Passport Irish Free State
Wikipedia/Peter Clarke, CC BY-SA 3.0

Gründung des Irischen Freistaates vor 90 Jahren war Grundstein für Unabhängigkeit im Süden und Unterdrückung im Norden Irlands, Florian Osuch, junge Welt, 1.12.2012
Kaum ein Ereignis spaltete Irland mehr, als die Gründung des »Irish Free State« am 6. Dezember 1922. Das Land war fortan und bis heute territorial in einen nördlichen und einen südlichen Teil getrennt. Die damals führende republikanische Partei Sinn Féin und ihr militärischer Arm, die »Irish Republican Army« (IRA), entzweiten sich in Unterstützer und Gegner dieses Staatsgebildes, welches weitgehende Autonomie besaß und trotzdem als Teil des Commonwealth an Großbritannien gefesselt war.

Die Umstände, die zur Gründung des Freistaates führten, reichen in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück. Im Zuge einer großen Hungersnot, dem »Great Famine« (1846–1849), starben rund eine Million Iren. Die Zentralregierung in London unternahm nach Auffassung der Bevölkerung zu wenig, um Folgen der Katastrophe zu mildern. Eine weitere Million Iren verließ die Insel, die Bevölkerung reduzierte sich binnen weniger Jahre von 8,5 auf rund sechs Millionen Menschen. Die leidvollen Erfahrungen ließen zum Ende des 19. Jahrhunderts die Unabhängigkeitsbewegung in Irland erstarken. Es bildeten sich Organisationen wie die »Irish Republican Brotherhood« oder die »Irish Socialist Republican Party«, angeführt vom Marxisten James Connolly. Starke Gewerkschaften kämpften für die Rechte der Arbeiter, Frauenorganisationen forderten Gleichberechtigung. (mehr…)