Tag-Archiv für 'faschismus'

Häftling 64401

Adolf Burger, Falschgeldwerkstatt im KZ Sachsenhausen, Operation BernhardMit Adolf Burger starb der vermutlich letzte Teilnehmer der Falschgeldaktion »Operation Bernhard« aus dem KZ Sachsenhausen. Florian Osuch junge Welt 28.12.2016
Anfang Dezember ist der Holocaustüberlebende Adolf Burger gestorben. Der Slowake hatte die Leiden von sieben Konzentrationslagern überstanden und war am Falschgeldkommando im KZ Sachsenhausen beteiligt gewesen. Bis ins hohe Alter berichtete er als Zeitzeuge vor Schulklassen, auch in Deutschland. Sein autobiographisches Buch »Des Teufels Werkstatt« diente als Vorlage für den Film »Die Fälscher«, der im Jahr 2008 einen Oscar als bester fremdsprachiger Film gewann. (mehr…)

Bombenabwurf an der Müritz

Gedenken im ehemaligen KZ Ravensbrück
Monument im KZ Ravensbrück
flickr/Jeremy Keith (CC BY 2.0)

Historische Kriegsvorbereitungen: Die Erprobungsstelle Rechlin und das vergessene KZ Retzow. Florian Osuch junge Welt 2.9.2015
Die Mecklenburgische Seenplatte ist wegen ihrer mehr als eintausend Seen überregional bekannt. Nahe Rechlin an der Müritz im Süden Mecklenburg-Vorpommerns findet auf einem Teil des Flugplatzes Lärz jeden Sommer das Musikfestival »Fusion« statt. Weitgehend vergessen ist, dass sich in diesem Gebiet während des Faschismus die zentrale Erprobungsstelle für Kriegsflugzeuge befand. Dort wurden Kampfflugzeuge, deren Ausrüstung und Waffen getestet. Man unterhielt mit dem KZ Retzow ein eigenes Lager, dessen Häftlinge Zwangsarbeit auch auf dem Flugplatz Lärz verrichteten. (mehr…)

Streit um Trennschärfe

Angehörige und Freunde von sieben ETA-Mitglieder vor dem Kriminalgericht in Paris
Anti-IS-Demo Berlin 07.10.14, Foto: flickr/greenythekid (CC BY-NC-SA 2.0)

Zwischen Dimitroff und moralischem Werturteil: Linke debattieren, ob der Islamismus als faschistisch bezeichnet werden kann. Florian Osuch, junge Welt, 18.2.2015
Ein Debattenbeitrag in der aktuellen Winterausgabe des Antifa Infoblatts befasst sich mit der Frage, ob Islamismus oder die Miliz »Islamischer Staat« (IS) als faschistisch bezeichnet werden können. Nach Auffassung des Autors Volker Weiß weisen Islamismus und Faschismus »historisch, ideologisch und strukturell deutliche Parallelen auf«. Beide Bewegungen seien zeitlich nah beieinanderliegend entstanden, zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Sowohl Faschismus als auch Islamismus stellen demnach einen krisenhaft gewordenen Radikalkonservatismus dar, der sich mit den Mitteln der Moderne gegen die Moderne stellt. Beide ähnelten sich in Politikstil, Massenagitation, Führerkult und Gewaltfetisch. Dem Islamismus sei der Dschihad, was dem Faschismus der permanente Ausnahmezustand sei. Auf den IS lasse sich »der Begriff Faschismus durchaus anwenden«. (mehr…)

Gedenkschrift für Willi Bredel

Gedenkschrift für Willi BredelDie Hamburger Willi-Bredel-Gesellschaft hat anläßlich des 50. Todestags des Schriftstellers und Namensgebers ihrer Geschichtswerkstatt am 27. Oktober ein Gedenkheft herausgegeben. Florian Osuch, junge Welt, 30.6.2014
Willi Bredel (1901–1964), einer Arbeiterfamilie entstammend, schloß sich früh dem Spartakusbund und der KPD an. Für seine Teilnahme am Hamburger Aufstand 1923 wurde er zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Bereits im März 1933 verhafteten ihn die Nazis und brachten ihn ins KZ Fuhlsbüttel. Ihm gelang die Flucht über Moskau nach London, wo er mit Bertolt Brecht und Lion Feuchtwanger in der Redaktion der Exilzeitschrift „Das Wort“ arbeitete. (mehr…)

Vor 70 Jahren: »Papierene Waffe«

Tor des KZ Sachsenhausen
wikipedia

Vor 70 Jahren installierte die SS eine Falschgelddruckerei im KZ Sachsenhausen, Florian Osuch, junge Welt, 17.11.2012

Im Dezember 1942 richtete die SS im Konzentrationslager Sachsenhausen bei Berlin eine Druckerei ein. Dort mußten bis zu 142 KZ-Häftlinge Zwangsarbeit leisten und für die Nazis Ausweise, Geheimdokumente und vor allem jede Menge britische Pfund herstellen. Die »Operation Bernhard« war die größte Falschgeldaktion in der Geschichte.

Die SS verfolgte das Ziel, international im Einsatz befindliche Nazis – darunter Agenten aus eigenen Reihen und der Gestapo sowie deutscher Botschafter und deren Mitarbeiter im Ausland – mit ausreichend Devisen und Pässen auszustatten. Mit massenhaft in Umlauf gebrachten Pfundnoten sollte die britische Wirtschaft destabilisiert werden. Es war geplant, das Geld als »papierene Waffe« per Flugzeug über England abzuwerfen; dies blieb jedoch Wunschdenken der SS. (mehr…)

Vergessen und verwildert

Mädchen KZ UckermarkAuf dem Gelände des ehemaligen KZ Uckermark in Brandenburg erinnert kaum noch etwas an die Verbrechen der Nazis. Feministinnen planen Workcamp im August.
Florian Osuch junge Welt 2.6.2010

Sogenannte »Jugendschutzlager« stellten während der NS-Zeit eine Besonderheit im Lagersystem der SS dar. Dort wurden Jugendliche und junge Erwachsene eingesperrt. Die Bezeichnung ist irreführend. Nicht die Jugendlichen sollten geschützt werden, sondern die deutsche »Volksgemeinschaft« vor den meist willkürlich Inhaftierten.
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65 Jahre Befreiung des Konzentrationslagers Sachsenhausen bei Berlin

KZ Sachsenhausen
Bundesarchiv, Bild 183-78612-0003, CC-BY-SA

Bis zu 200.000 Personen sperrten die Nazis zwischen 1936 und 1945 ins KZ Sachsenhausen bei Oranienburg ein. Vor 65 Jahren wurde das KZ Sachsenhausen befreit. In einer Geheimaktion mussten über 140 Häftlinge Geld und falsche Ausweise für die Nazis drucken. Durch glückliche Umstände überlebten fast alle Männer des »Fälscherkommandos«.
Florian Osuch in der Zeitschrift der LINKEN Friedrichshain-Kreuzberg vom Mai/Juni 2010.

Die Situation muss gespenstisch gewirkt haben: Am 22. April 1945 gegen 11 Uhr mittags erreichte eine Vorausabteilung der sowjetischen Armee das Konzentrationslager Sachsenhausen bei Oranienburg nördlich von Berlin. Sie befreiten dort rund 4.400 mehrheitlich kranke Häftlinge, darunter etwa 1.400 Frauen und Kinder. Noch wenige Wochen zuvor drängten sich bis zu 20.000 Personen in den Holzhäusern des KZ-Geländes, teilweise bis zu 200 Menschen pro Baracke.

Der Historiker und Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung an der TU Berlin, Wolfgang Benz, bezifferte die Gesamtzahl der Todesopfer im KZ Sachsenhausen auf 35.000 bis 40.000 Personen, darunter allein mehr als 10.000 sowjetische Kriegsgefangene, die im Herbst 1941 erschossen wurden. Neben der Ausschaltung jedes wirklichen oder vermuteten Gegners der Nazi-Herrschaft erfüllte das KZ einen ökonomischen Zweck: die Sammlung und Verwendung eigener Arbeitssklaven, die Zwangsarbeit leisten mussten. (mehr…)