Tag-Archiv für '2007'

Das Schweigen brechen

Plakat Oury JallohOury Jalloh starb vor drei Jahren in Dessau. Konferenz und Demonstration fordern Aufklärung. Florian Osuch junge Welt 31.12.2007

Am kommenden Wochenende finden in Berlin und Dessau Aktionen und Veranstaltungen statt, die an den Tod von Oury Jalloh vom 7. Januar 2005 erinnern. Unter dem Titel »Break the Silence« (Brecht das Schweigen) fordern die Veranstalter die Aufklärung der Todesumstände. Zunächst ist am Samstag im Berliner Mehringhof eine Konferenz für die Opfer rassistischer Polizeigewalt geplant. Am Sonntag finden im Dessauer Beat Club eine Black-Africa-Konferenz und am Montag – dem dritten Todestag des Asylbewerbers – eine Gedenkdemonstration statt.
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Glücksspielressourcen

In der spanischen Wüste soll eine Art Las Vegas entstehen. Womöglich werden die Wasser- über den Bierpreisen liegen.
Florian Osuch junge Welt 20.12.2007

Vor einigen Tagen wurden in Spanien Pläne für ein Megaprojekt in Aragón publik gemacht. Die Medienkampagne war angemessen groß angelegt. In der Region Aragon, 50 Kilometer östlich von Zaragoza (Expostadt 2008), soll ein neues Tourismuszentrum entstehen, ein europäisches Las Vegas. 32 Casinos mit bis zu 40000 Automaten, 70 Hotels, 232 Restaurants, 500 Einzelhandelsgeschäfte, dazu Golfplätze, Vergnügungsparks, eine Pferderennbahn, eine Stierkampfarena. Bis 2015 soll das alles aus dem Boden gestampft werden. Aus Steppenboden wohlgemerkt.
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Regelfall Folter

Zwei Verfahren gegen Polizisten in Barcelona. Florian Osuch junge Welt 18.12.2007

Heute beginnt in Barcelona der Prozeß gegen sieben spanische Polizisten wegen Folter und Körperverletzung. Darunter sind auch vier Beamte der »Brigada Provincial d’Informació« (BPI), einer polizeilichen Sondereinheit für politische Delikte in der Stadt.

Es geht um einen Fall vom 4. Oktober 2004, als drei junge Männer im Stadtteil Sants aufgegriffen wurden. Kurze Zeit zuvor waren Molotow-Cocktails auf eine Polizeiwache im gleichen Bezirk geworfen worden – als Reaktion auf die Räumung des besetzten Zentrums La Hamsa wenige Monate zuvor. Die Polizei hielt die jungen Männer für die Täter und überführte sie auf eine Wache. Nach Angaben der Festgenommenen wurden sie dort geschlagen und verletzt.
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Mörder im Dienst der Krone

Collusion = Statemurder Belfast RUC British Army UVF UFF UDA
Demonstration in Belfast, flickr/PPCC Antifa (CC BY-NC-SA 2.0)

Europäischer Gerichtshof: Britische Sicherheitskräfte unterstützten Todesschwadronen in Nordirland. Polizei behinderte Untersuchungenr. Florian Osuch junge Welt 10.12.2007

Der Europäische Gerichtshof in Strasbourg hat jetzt festgestellt, daß britische Sicherheitskräfte bei ihrem Einsatz in Nordirland weit mehr in Morde und Anschläge auf Zivilisten verstrickt gewesen sind, als bisher angenommen. In einer Klage hatten sich acht Familien zusammengeschlossen, deren Angehörige in den 1970er und 1980er Jahren in den nordirischen Regionen Mid-Ulster und South Armagh getötet wurden. Bisher galten in der Regel probritische Paramilitärs, die mit Waffengewalt für den Verbleib Nordirlands beim Vereinten Königreich kämpfen, als alleinige Täter.
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Demonstrationsverbot in Madrid

Carlos Madrid
foto: kaos en la red

Spanien: Gedenken an ermordeten Antifaschisten untersagt. Faschisten ehrten Franco. Florian Osuch junge Welt 21.11.2007

Mehr als drei Jahrzehnte nach dem Tod des spanischen Diktators Francisco Franco hängt dessen langer Schatten noch immer über Madrid. An seinem 32. Todestag marschierten am Dienstag erneut mehrere tausend Anhänger Francos durch die spanische Hauptstadt. Darunter alte Faschisten, die 1936 am Putsch gegen die Volksfrontregierung teilgenommen hatten, ebenso wie ehemalige Staatsfunktionäre der 40jährigen Diktatur sowie junge Neonazis. Neben Madrid war das etwa 50 Kilometer entfernte Valle de los caídos, das »Tal der Gefallenen«, Hauptanlaufpunkt für die Franco-Verehrer. Dort ist der Faschist in einer monumentalen Anlage neben rund 40000 Soldaten begraben. 20.000 Zwangsarbeiter mußten die »Heldengedenkstätte« in 19jähriger Bauzeit errichten. Hauptbestandteil ist eine in den Berg geschlagene Kirche. Über allem ragt ein 150 Meter hohes Kreuz, das bereits aus großer Entfernung zu sehen ist. Ins Valle de los caídos zog es bereits am Sonntag und Montag Hunderte Aktivisten der Falange. Sie war Staatspartei unter der Franco-Diktatur und ist in Spanien noch heute legal.
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»Ohne öffentlichen Druck würde keine Tafel hängen«

Ute DonnerGedenken an vor 15 Jahren von Neonazis ermordeten Berliner Antifaschisten Silvio Meier. Ein Gespräch mit Ute Donner. Florian Osuch junge Welt 20.11.2007

Wann haben Sie sich erstmals näher mit dem Antifaschisten Silvio Meier beschäftigt, der vor 15 Jahren von Neonazis in Berlin-Friedrichshain ermordet wurde?
Angefangen hat alles an einem Morgen im Oktober 1998. Immer, wenn ich die Treppe vom U-Bahnhof Samariterstraße hinaufstieg, fiel mein Blick auf eine Gedenktafel mit der Aufschrift »Hier wurde Silvio Meier am 21. November 1992 von Faschisten ermordet«. Plötzlich war die Tafel weg, und ich konnte das nicht einfach so hinnehmen. Ich brachte eine provisorische Gedenktafel und gemalte Bilder an der leeren Stelle an, die jedoch immer wieder entfernt wurden. Ich erstattete Anzeige und kontaktierte die lokale Bezirksverordnetenversammlung. Plötzlich tauchte die Tafel bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) wieder auf und wurde am Vortag des 21. November 1998 erneut angebracht.
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15 Jahre Silvio-Meier-Gedenken

Silvio MeierJährliches Erinnern an 1992 von Neonazis erstochenen Antifaschisten und Hausbesetzer in Berlin. Florian Osuch junge Welt 14.11.2007

Silvio Meier – Antifaschist und Aktivist der Hausbesetzerbewegung in Berlin – wurde am 21. November 1992 von Neonazis getötet. Er und einige Freunde gerieten vor 15 Jahren auf dem U-Bahnhof Samariterstraße in Berlin-Friedrichshain mit Neonazis in Streit. Es folgte eine Schlägerei, zurück blieben mehrere schwer verletzte Antifaschisten; Silvio Meier verstarb kurze Zeit später an einer Stickwunde.
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Antifaschist in Madrid ermordet

Neofaschist sticht bei Naziaufmarsch auf protestierende Linke ein. Florian Osuch junge Welt 13.11.2007

Am Sonntag morgen ist in Madrid ein junger Antifaschist von einem Neonazi erstochen worden. Der 16jährige Carlos J.P. wurde durch mehrere Messerstiche so schwer verletzt, daß er kurze Zeit später starb. Nach Angaben der spanischen Tageszeitung El Mundo befindet sich noch ein weiterer junger Mann mit schweren Verletzungen im Krankenhaus. (mehr…)

Tot va començar amb Bobby Sands

Belfast mural Bobby Sands
flickr/PPCC Antifa (CC BY-NC-SA 2.0)

Florian Osuch L‘Accent 115 (Del 2 al 15 d´octubre de 2007)

Set anys després del denominat „acord de pau de Setmana Santa“ la situació a Irlanda del Nord ha canviat bastant. Tota la societat, les institucions, el dia a dia, els guetos catòlics i la política ha passat d´un entorn de guerra a una situació normalitzada. El partit independentista republicà Sinn Féin (SF) és el gran guanyador d´aquest procés. Amb una estratègia fàcil i una mica de sort Gerry Adams, president del SF, pot ser l´home fort del Govern nord-irlandès.
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Splittergruppen gegen Friedensprozeß

Ireland Stencil CIRA Continuity Irish Republican Army
flickr/Hossamel Hamalawy
CC BY-NC-SA 2.0

Nordirland: Sinn Féin hält an ihrem Kurs fest und will die nächsten Wahlen gewinnen. Florian Osuch junge Welt 20.09.2007

Der Friedenskurs der links-nationalistischen Partei Sinn Féin (SF) in Nordirland stößt auf Kritik in den irisch-republikanischen Reihen. In deren Hochburgen von Derry und Belfast findet man häufig Parolen, die Sinn Féin als »Verräter« oder »Polizei-Kollaborateure« diffamieren. Die Koalition von Sinn Féin mit der ultrarechten Democratic Unionist Party (DUP) sowie die Anerkennung der nordirischen Polizei PSNI sind die Hauptkritikpunkte. (mehr…)

Ein Leben für Irlands Freiheit

IRA-Mitbegründer und ehemaliger Sinn-Féin-Politiker John Kelly in Nordirland gestorben. Florian Osuch junge Welt 08.09.2007

In der Nacht zu Donnerstag ist das Gründungsmitglied der Irisch Republikanischen Armee (IRA) und späterer Sinn-Féin-Politiker John Kelly gestorben. Der 71jährige gehörte zum kleinen Kreis von Aktivisten, welche in den frühen 1970er Jahren die IRA nach faktischer Bedeutungslosigkeit reaktivierten. Das war die Antwort auf Pogrome britisch-protestantischer Milizen gegen die irische Bevölkerungsminderheit.
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Irisch im Kommen

Straßenschild in Irisch
Straßenschild in Irisch
flickr/Wiki01916

Forderung nach Gleichstellung der Sprache spaltet Autonomieregierung in Belfast. Sinn Féin will Massenförderung. Florian Osuch junge Welt 25.08.2007

Seit knapp vier Monaten wird der Norden Irlands wieder von einer lokalen Autonomieregierung verwaltet. Nach Jahren des Stillstands und der Direktherrschaft aus London hatten sich im Mai die führenden Fraktionen beider Konfliktparteien auf eine paritätisch besetzte Regionalregierung verständigt.
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Morde aufklären

Mural Collusion Belfast RUC British Army UVF UDA
flickr/PPCC Antifa (CC BY-NC-SA 2.0)

Sinn Féin fordert Untersuchungskommission über »schmutzigen Krieg« der Sicherheitskräfte in Nordirland. Florian Osuch junge Welt 14.08.2007

Am Sonntag haben sich knapp zehntausend Personen in der Innenstadt von Belfast an einem »Marsch für Wahrheit« (March for truth) beteiligt. In einem langen Strom zogen Bewohner der irisch-republikanischen Viertel zur City-Hall. Hunderte trugen Fotos von Angehörigen, Freunden oder Genossen, die während des Bürgerkriegs in Nordirland ermordet wurden und deren genaue Todesumstände bis heute nicht aufgeklärt sind. Aufgerufen zur Demonstration hatte die links-nationalistische Partei Sinn Féin. Ihr Präsident Gerry Adams forderte Aufklärung über Todesfälle während der 38 Jahre währenden britischen Militärbesatzung im Norden Irlands, die erst vor zwei Wochen endete.
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Kein Geld mehr für die Loyalisten

Mural Shankill Road Belfast UDA
flickr/Supermac1961 (CC BY 2.0)

Polizeichef in Nordirland fordert nach Ausschreitungen Stopp der Zahlungen an Gruppen im Umfeld der pro-britische UDA. Paramilitärs offenbar im Drogengeschäft aktiv. Florian Osuch junge Welt 06.08.2007

Wie soll im noch jungen nord­irischen Friedensprozeß mit pro-britischen Paramilitärs umgegangen werden? Bindet man sie ein, oder sollen sie ausgrenzt werden? Während die Irisch Republikanische Armee (IRA) ihre eigene Entwaffnung abgeschlossen hat und die britischen Armee nahezu vollständig aus dem Norden Irlands abzogen ist, halten loyalistische Gruppen an ihren Waffen fest.
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Wahlen in Irland: Schlappe für Sinn Féin

Sinn FeinMitte-Rechts-Parteien gewinnen Parlamentswahlen in Irland. Florian Osuch junge Welt 29.05.2007

Die rechtskonservative Partei Fianna Fáil ist als stärkste Kraft aus der Parlamentswahl in Irland vom vergangenen Donnerstag hervorgegangen. Nur knapp verfehlte die Partei die absolute Mehrheit und wird 78 von 166 Sitzen im Parlament Dáil belegen. Die große christdemokratische Oppositionspartei Fine Geal konnte zwar 51 Dáil-Sitze gewinnen (+20), blieb aber mit ihrem geplanten Mitte-Linksbündnis hinter Fianna-Fáil-Chef Bertie Ahern, der auf eine neue fünfjährige Amtszeit als irischer Präsident hoffen kann.
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