„Operation Bernhard“

Häftling 64401

Adolf Burger, Falschgeldwerkstatt im KZ Sachsenhausen, Operation BernhardMit Adolf Burger starb der vermutlich letzte Teilnehmer der Falschgeldaktion »Operation Bernhard« aus dem KZ Sachsenhausen. Florian Osuch junge Welt 28.12.2016
Anfang Dezember ist der Holocaustüberlebende Adolf Burger gestorben. Der Slowake hatte die Leiden von sieben Konzentrationslagern überstanden und war am Falschgeldkommando im KZ Sachsenhausen beteiligt gewesen. Bis ins hohe Alter berichtete er als Zeitzeuge vor Schulklassen, auch in Deutschland. Sein autobiographisches Buch »Des Teufels Werkstatt« diente als Vorlage für den Film »Die Fälscher«, der im Jahr 2008 einen Oscar als bester fremdsprachiger Film gewann. (mehr…)

Vor 70 Jahren: »Papierene Waffe«

Tor des KZ Sachsenhausen
wikipedia

Vor 70 Jahren installierte die SS eine Falschgelddruckerei im KZ Sachsenhausen, Florian Osuch, junge Welt, 17.11.2012

Im Dezember 1942 richtete die SS im Konzentrationslager Sachsenhausen bei Berlin eine Druckerei ein. Dort mußten bis zu 142 KZ-Häftlinge Zwangsarbeit leisten und für die Nazis Ausweise, Geheimdokumente und vor allem jede Menge britische Pfund herstellen. Die »Operation Bernhard« war die größte Falschgeldaktion in der Geschichte.

Die SS verfolgte das Ziel, international im Einsatz befindliche Nazis – darunter Agenten aus eigenen Reihen und der Gestapo sowie deutscher Botschafter und deren Mitarbeiter im Ausland – mit ausreichend Devisen und Pässen auszustatten. Mit massenhaft in Umlauf gebrachten Pfundnoten sollte die britische Wirtschaft destabilisiert werden. Es war geplant, das Geld als »papierene Waffe« per Flugzeug über England abzuwerfen; dies blieb jedoch Wunschdenken der SS. (mehr…)

65 Jahre Befreiung des Konzentrationslagers Sachsenhausen bei Berlin

KZ Sachsenhausen
Bundesarchiv, Bild 183-78612-0003, CC-BY-SA

Bis zu 200.000 Personen sperrten die Nazis zwischen 1936 und 1945 ins KZ Sachsenhausen bei Oranienburg ein. Vor 65 Jahren wurde das KZ Sachsenhausen befreit. In einer Geheimaktion mussten über 140 Häftlinge Geld und falsche Ausweise für die Nazis drucken. Durch glückliche Umstände überlebten fast alle Männer des »Fälscherkommandos«.
Florian Osuch in der Zeitschrift der LINKEN Friedrichshain-Kreuzberg vom Mai/Juni 2010.

Die Situation muss gespenstisch gewirkt haben: Am 22. April 1945 gegen 11 Uhr mittags erreichte eine Vorausabteilung der sowjetischen Armee das Konzentrationslager Sachsenhausen bei Oranienburg nördlich von Berlin. Sie befreiten dort rund 4.400 mehrheitlich kranke Häftlinge, darunter etwa 1.400 Frauen und Kinder. Noch wenige Wochen zuvor drängten sich bis zu 20.000 Personen in den Holzhäusern des KZ-Geländes, teilweise bis zu 200 Menschen pro Baracke.

Der Historiker und Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung an der TU Berlin, Wolfgang Benz, bezifferte die Gesamtzahl der Todesopfer im KZ Sachsenhausen auf 35.000 bis 40.000 Personen, darunter allein mehr als 10.000 sowjetische Kriegsgefangene, die im Herbst 1941 erschossen wurden. Neben der Ausschaltung jedes wirklichen oder vermuteten Gegners der Nazi-Herrschaft erfüllte das KZ einen ökonomischen Zweck: die Sammlung und Verwendung eigener Arbeitssklaven, die Zwangsarbeit leisten mussten. (mehr…)

»Blüten« aus dem KZ

KZ Sachsenhausen
wikipedia/PPCC Antifa, CC BY-NC-SA 2.0

Häftlinge des KZ Sachsenhausen mussten in einem Sonderkommando Geld für die Nazis fälschen

Florian Osuch in der Zeitschrift Antifaschistisches Infoblatt (AIB) Nummer 86: Frühjahr 2010.

Zwischen 1942 und 1945 installierte die SS-Führung im damaligen KZ Sachsenhausen bei Berlin eine konspirative Druckerei. Insgesamt 142 Häftlinge mussten Geld, Propagandamarken, Ausweise und sonstige sensible Dokumente wie Sabotageanleitungen für die SS drucken. Das Sonderkommando trug den Namen »Operation Bernhard«, benannt nach dem verantwortlichen SS-Sturmbannführer Bernhard Krüger.

Die Häftlinge waren mehrheitlich Drucker, Graveure, Schriftsetzer, Zeichner, Papieringenieure und sonstige Spezialisten. Sie wurden aus verschiedenen Konzentrations- und Vernichtungslagern nach Sachsenhausen verbracht. Die Vernichtung der ausschließlich jüdischen Männer war innerhalb des KZ-Systems vorgesehen, obendrein waren sie Geheimnisträger und gingen davon aus, dass sie umgehend getötet werden, falls ihre Arbeitskraft nicht mehr benötigt wurde. (mehr…)

»Wer zu den Neonazis geht, endet als Mörder«

Adolf BurgerGespräch mit Adolf Burger. Er ist einer der letzten Überlebenden der Falschgeldwerkstatt im KZ Sachsenhausen. Auf Befehl der SS mußten dort 144 Juden Dokumente, Pässe sowie Banknoten im Wert von mehreren Milliarden Pfund drucken. Heute lebt Burger in Prag und hält regelmäßig Vorträge vor Schülern.
Florian Osuch junge Welt 27.12.2007

Sie halten als Zeitzeuge und Überlebender des Faschismus viele Vorträge vor Schulklassen. Zuletzt vergangene Woche in Berlin. Dabei waren erneut auch Schüler, die mit der rechten Szene sympathisieren. Wie verhalten Sie sich?

Meistens merke ich schnell, wenn unter den Zuhörern Schüler mit einer rechten Gesinnung sitzen. Das stört mich wenig, weil sie meistens schnell ruhig sind und bleich im Gesicht werden. Für diese Jugendlichen – wie für die meisten anderen übrigens auch – ist es oft das erste Mal, daß sie einen Überlebenden von Auschwitz, Birkenau und Sachsenhausen vor sich haben. Ich bringe ja auch Bilder und Dokumente mit und zeige ihnen meine tätowierte Häftlingsnummer, so daß niemand sagen kann, die KZ habe es nicht gegeben.
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