Irland

Sinn Féin stark wie nie

Gerry Adams und Michele O'Neill, Sinn Féin
Gerry Adams und Michele O‘Neill, Sinn Féin
Foto: Sinn Féin (CC BY 2.0)

Nordirland: Probritische Parteien verlieren Mehrheit bei Regionalwahlen. »Brexit« und innerirische Grenze bleiben Streitpunkte. Florian Osuch junge Welt 6.3.2016
Aus den vorgezogenen Neuwahlen in Nordirland ist die rechte, probritische Democratic Unionist Party (DUP) erneut als Siegerin hervorgegangen. Die Partei der amtierenden Ministerpräsidentin Arlene Foster liegt mit 28,1 Prozent der Stimmen trotz geringer Verluste weiterhin knapp vor der linksrepublikanischen Sinn Féin. Für sie votierten 27,9 Prozent der Wähler – dies ist ihr bislang bestes Ergebnis. Mit deutlichem Abstand folgen die Ulster Unionist Party (UUP) mit 12,9 Prozent und die Sozialdemokraten der Social Democratic and Labour Party (SDLP) mit 11,9 Prozent. (mehr…)

Sinn Féin im Aufwind

Gery Adams, Sinn Féin
Gery Adams, Präsident von Sinn Féin. Foto: flickr/David Trattnig (CC BY 2.0)

Die Linkspartei ist vor den Wahlen in Irland so stark wie nie. Florian Osuch, junge Welt, 23.02.2016
An diesem Freitag wird in Irland ein neues Parlament gewählt. Umfragen sagen einen deutlichen Zuwachs an Stimmen für die linksrepublikanische Sinn Féin voraus. Bei den letzten Parlamentswahlen im Februar 2011 kam sie auf 9,9 Prozent, nun kann die Partei mit einem doppelt so hohen Ergebnis rechnen. Das Handelsblatt schreibt bereits von griechischen Verhältnissen und spricht von »wenig erfreulichen Aussichten für Investoren«. Laut Prognosen kommt die rechtskonservative Fine Gael von Ministerpräsident Enda Kenny trotz Verlusten erneut auf den ersten Platz. (mehr…)

Krawalle nach Oranier-Marsch

Orange Order Belfast
Orange Order (bei einem anderen Marsch)
flickr/Miss Copenhagen (CC BY-NC-ND)

Nordirland: Ausschreitungen in Belfast nach probritischen Paraden. Florian Osuch junge Welt 15.7.2015
Nach einem traditionellen Marsch des ultrarechten Oranier-Ordens in Nordirland kam es am Montag abend in Belfast zu Ausschreitungen. Anhänger des Ordens waren zuvor mit England-Bannern und anderen probritischen Symbolen sowie begleitet von Marschmusik durch die nordirische Metropole gezogen. Als ihnen auf dem Rückweg der Gang durch das mehrheitlich proirische Viertel Ardoyne verwehrt wurde, eskalierte die Situation. Militante Ordensmänner und Unterstützer attackierten die Polizei mit Flaschen und Steinen. 25 Beamte wurden laut BBC verletzt. Die Einsatzkräfte setzte Plastikgeschosse und Wasserwerfer ein. Ein Sprecher des Ordens verurteilte die Gewalt. »Solche Aktionen stärken nur diejenigen, die unsere Paraden weiter einschränken wollen.« (mehr…)

Sexkauf unter Strafe

Sex Workers Alliance IrelandNeues Gesetz in Nordirland: Kunden von Prostituierten müssen mit Haft und Geldbußen rechnen. Hurenorganisationen fürchten mehr Unsicherheit im Gewerbe. Florian Osuch junge Welt 5.6.2015
Seit dem 1. Juni wird in Nordirland mit Gefängnis von bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafen von bis zu 1.000 Pfund bestraft, wer für sexuelle Dienstleistungen bezahlt. Frauen und Männer, die im Gewerbe tätig sind, befürchten in der Folge eine weitere Stigmatisierung. Kate McGrew von der gesamtirischen »Sex Workers Alliance Ireland« (SWAI) sagte der Irish Times, mit der Neuregelung würden die Rechte von Sexarbeiterinnen eingeschränkt. So sei es schwieriger, mit Freiern etwa über gerechte Bezahlung oder die Verwendung von Kondomen zu verhandeln. Die 36jährige sieht sogar das Leben ihrer Kolleginnen und Kollegen gefährdet. Die SWAI vertritt Sexarbeiter in der Republik Irland und im zu Großbritannien gehörenden Norden der Insel. In England, Schottland und Wales gibt es derartige Regelungen bislang nicht. (mehr…)

Mord in Belfast

Belfast Wandbild Mural IRA
Wandbild in „The Markets“, Belfast
Foto: flickr/PPCC Antifa (CC BY-NC-SA 2.0)

Ehemaliger IRA-Kommandeur getötet. Attacken und Drohungen gegen Sinn Féin vor Parlamentswahl. Florian Osuch, junge Welt, 7.5.2015
In Nordirland ist am Dienstag morgen der ehemaliger Kommandeur der Irisch-Republikanischen Armee (IRA), Gerard »Jock« Davison, von einem Unbekannten erschossen worden. Der Anschlag ereignete sich gegen 9.15 Uhr im Market-Viertel nahe dem Stadtzentrum von Belfast. Der Familienvater war auf dem Weg zur Arbeit in einem Nachbarschaftszentrum. Niemand bekannte sich bisher zu dem Attentat. (mehr…)

Homophober Minister zurückgetreten

Der Gesundheitsminister der Regionalregierung in Nordirland, Jim Wells, ist nach homophoben Äußerungen zurückgetreten. Florian Osuch junge Welt 29.04.2015
Das meldete die BBC. Wells gehört der religiös-konservativen Democratic Unionist Party (DUP) an und kandidiert im Bezirk South Down für einen Sitz im britischen Parlament. Bei einer Wahlkampfdebatte in Downpatrick hatte Wells in der vergangenen Woche behauptet, die Möglichkeit für sexuellen Missbrauch an Kindern sei in schwulen und lesbischen Familien höher als bei heterosexuellen Paaren.

Strategische Feuerpause

Irisch-republikanisches Wandbild in Belfast
Irisch-republikanisches Wandbild in Belfast
Foto: flickr/PPCC Antifa (CC BY-NC-SA 2.0)

Vor 20 Jahren verkündete die IRA einen Waffenstillstand. Florian Osuch, junge Welt, 30.8.2014
Von bundesdeutschen Medien weitgehend unbeachtet, verstarb in der vergangenen Woche der ehemalige irische Ministerpräsident Albert Reynolds. Er war eine Schlüsselfigur im Friedensprozeß in Nordirland. Am 31. August 1994 erklärte die IRA einen einseitigen Waffenstillstand und ebnete den Weg für Verhandlungen zu einem dauerhaften Frieden. Gerry Adams, Vorsitzender der irisch-republikanischen Partei Sinn Féin, bezeichnete die Einstellung der IRA-Operationen vor 20 Jahren als »beispiellose Initiative einer ungeschlagenen Armee«. (mehr…)

Zivilcourage als Verbrechen

Niall Farrell und Margaretta D'Arcy außerhalb eines Gerichts in Irland
Niall Farrell und Margaretta D‘Arcy vor einem Gericht in Irland, Foto: Indymedia Irland

Irland: Haft für Friedensaktivisten nach Kundgebung gegen Kriegspolitik. Florian Osuch, junge Welt, 8.8.2014
In Irland ist der langjährige Friedensaktivist Niall Farrell wegen antimilitaristischer Proteste inhaftiert worden. Im Anschluß an eine Friedenskundgebung im Zentrum der westirischen Stadt Galway am vergangenen Sonnabend hatte sich der 61jährige der Polizei gestellt. Er wird im Gefängnis von Limerick festgehalten. Ein Bezirksgericht in Ennis hatte Farrell am 24. Juni wegen der Teilnahme an einer friedlichen Protestaktion auf dem Gelände des Flughafens Shannon zur Zahlung einer Geldstrafe verurteilt. Der in Belfast Geborene sollte zudem eine Erklärung unterzeichnen, in Zukunft auf politische Aktivitäten rund um den Flughafen zu verzichten. Da er beides verweigert hatte, kontaktierte ihn die irische Polizei während seines Sommerurlaubs in Berlin und forderte ihn auf, sich zu stellen. Auf der Friedenskundgebung am Sonnabend, kurz bevor sich Farrell in Haft begab, hatte er vor rund 50 Unterstützern darauf hingewiesen, daß genau vor 100 Jahren Irland in den Ersten Weltkrieg eingetreten war und 100 Jahre später Menschen »immer noch gegen Krieg aktiv« sind. (mehr…)

Aufschwung für Sinn Féin

Frischgewählte Abgeordnete von Sinn Féin im EU-Parlament: Liadh Ní Riada
Frischgewählte Abgeordnete im EU-Parlament: Liadh Ní Riada, Foto: Sinn Féin (CC BY 2.0)

Irische Linkspartei errang vier Sitze in Brüssel und Straßburg – drei für den Süden, einen für den Nordenl. Florian Osuch, Neues Deutschland, 31.5.2014
Etwas im Schatten der Ergebnisse in den Metropolen Europas blieb der Erfolg der irischen Linken bei den EU-Wahlen – sowohl im Süden als auch im Norden der Insel.

Die irische Linkspartei Sinn Féin ist überraschend stark aus den Wahlen zum Europäischen Parlament wie auch aus den parallel veranstalteten Kommunalwahlen hervorgegangen. In der unabhängigen Republik Irland gewann sie drei Sitze für das EU-Parlament, dort war sie bei den letzten Wahlen noch leer ausgegangen. In Nordirland, das zu Großbritannien gehört, gewann sie wie zuvor ein Mandat. (mehr…)

Drei Anläufe zu „Home Rule“

Premierminister Gladstone
Premierminister Gladstone

Großbritannien billigte Irland 1914 erstmalig Selbstbestimmungsrechte zu. Florian Osuch, junge Welt, 24.5.2014
Seit fast einhundert Jahren ist Irland geteilt. Der Norden der Insel gehört zu Großbritannien, der Süden ist unabhängige Republik. Die Aufspaltung Irlands wurde mit der Gründung des »Irish Free State« im Jahr 1922 besiegelt, die Grundlagen wurden allerdings früher gelegt.
Am 25. Mai 1914 verabschiedete das britische Parlament ein Gesetz mit der Bezeichnung ­»Home Rule« (englisch etwa Selbstregierung) und übertrug Irland Rechte der Selbstbestimmung. Der nordöstliche Teil der Insel blieb von den Regelungen ausgespart. Über 40 Jahre war die Home-Rule-Bewegung für eine Teilautonomie eingetreten. Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges durchkreuzte jedoch die Pläne, und in Irland erstarkten Forderungen nach einem radikalen Bruch mit England. (mehr…)

Zwei Übergriffe pro Tag

UDA-Wandbild in, Newtownabbey, Nordirland
UDA-Wandbild in Newtownabbey, Nordirland
Foto: Wikipedia/Keresaspa (CC BY-SA 3.0)

In Nordirland steigt die Zahl rassistischer Attacken. Probritische Milizen terrorisieren Einwanderer. Florian Osuch, junge Welt, 21.5.2014
In Nordirland gehen Anhänger probritischer Milizen immer häufiger gegen Migranten vor. Nach Angaben der Zeitung Belfast Telegraph registriert die Polizei in der Provinz durchschnittlich zwei rassistische Übergriffe pro Tag. Die Dunkelziffer liegt nach Auffassung von antirassistischen Aktivisten weit höher, da nur etwa 20 Prozent der Vorfälle bei der Polizei gemeldet würden. Der Belfast Telegraph warnte, Nordirland könne zur »europäischen Hauptstadt des Rassismus« werden. (mehr…)

Nordirland: Ablenkungsmanöver

Gerry Adams
Gerry Adams, Foto: Sinn Fein (CC BY 2.0)

In Nordirland fordern Initiativen Aufklärung von Verbrechen der britischen Armee. London zielt auf Führung von Sinn Féin. Florian Osuch, junge Welt, 13.5.2014
Mit der mehrtägigen Festnahme von Gerry Adams, Präsident der irischen Linkspartei Sinn Féin, hat der Streit um die Aufarbeitung des Nordirland-Krieges an Schärfe zugenommen. Der 65jährige war Anfang Mai wegen eines Mordes aus den frühen 1970er Jahren verhört und nach vier Tagen Befragung ohne Anklage entlassen worden. Britische Ermittler bringen den populären Politiker in Verbindung mit dem Mord an einer Frau, die 1972 von der Irisch-Republikanischen Armee (IRA) aus ihrem Haus in Belfast entführt und ermordet worden war. Die IRA hatte die 37jährige Jean McConville für eine Kollaborateurin der britischen Armee gehalten. Ihren Leichnam ließ man verschwinden; erst im Jahr 2003 wurde dieser südlich der inneririschen Grenze gefunden. (mehr…)

Hintergrund: Kampf um Nordirland

Wandbild in Derry
Wandbild „Civil Rights“ in Derry
Foto: flickr/wfbakker2 (CC BY-SA 2.0)

Seit Beginn der britischen Besetzung Irlands im 12. Jahrhundert gab es in vielen Generationen Freiheitsbestrebungen. Florian Osuch, junge Welt, 3.5.2014
Ende des 19. Jahrhunderts bildeten sich Gruppen wie die »Irish Republican Brotherhood« oder die »Irish Socialist Republican Party«. Zu Ostern 1916 rebellierte eine Hand voll Aufständischer und proklamierte in Dublin eine Republik. Diese garantierte bürgerliche und religiöse Freiheiten und die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau. Die Erhebung wurde niedergeschlagen. Es begann der Aufstieg der Partei Sinn Féin (irisch: wir selbst). Die historische IRA begann einen Guerillakrieg. 1922 stimmte die britische Regierung der Gründung eines »Irish Free State« im südlichen Teil der Insel zu. Die irisch-republikanische Bewegung spaltete sich. Ein Teil wollte sich nicht damit abfinden, daß das Land anhand konfessioneller Linien geteilt wurde. Im nordirischen Separatstaat dominierte eine Bevölkerungsmehrheit probritischer Protestanten. Die irisch-katholische Minderheit wurde diskriminiert. (mehr…)

Späte Rache in Nordirland

Gerry Adams
Bobby Storey, Martin McGuinness und Gerry
Adams (von links) beim Begräbnis von Harry
Thompson. Foto: flickr/Sinn Fein (CC BY 2.0)

Gerry Adams von der Partei Sinn Féin festgenommen. Irisch-republikanische Politiker sehen darin Wahlbeeinflussung. Florian Osuch, junge Welt, 3.5.2014
In Nordirland ist der Chef der irischen Linkspartei Sinn Féin, Gerry Adams, am Mittwoch abend festgenommen worden. Er wird zu einem Mordfall aus den frühen 70er Jahren verhört. Die nordirische Polizei kann Adams bis zu 48 Stunden ohne Anklage festhalten, bei Redaktionsschluß war er immer noch inhaftiert.

Ermittler in Belfast untersuchen die Hintergründe des Mordes an der 37jährigen Jean McConville aus dem Jahr 1972. Die Mutter von zehn Kindern war von Mitgliedern der Irisch-Republikanischen Armee (IRA) entführt, mißhandelt und ermordet worden. Ihr Leichnam wurde verscharrt und erst im Jahr 2003 im Süden der geteilten Insel zufällig gefunden. Die Untergrundorganisation hielt McConville für eine Informantin englischer Sicherheitsbehörden. In der Hochphase der bewaffneten Auseinandersetzung zwischen IRA und den britischen Besatzungstruppen in Nordirland wurden immer wieder Menschen bedroht, verletzt oder getötet, wenn sie für Zuträger des Militärs oder der Polizei gehalten worden waren. (mehr…)

Das Pinselrezept

UDA-Wandbild in Belfast Nordirland, mural UDA Belfast, Northern Ireland
UDA-Wandbild in Belfast, Nordirland
flickr/Photolifer (CC BY-NC 2.0)

Der Giro d’Italia wird in diesem Jahr in Nordirland beginnen. Dort tobt ein Streit um die Herrichtung der Strecke. Florian Osuch, junge Welt, 27.2.2014
Der Giro d’Italia hat schon oft im Ausland angefangen, der Austragungsort des diesjährigen Prologs ist aber etwas Besonderes. Er wird am 9. Mai durch die nordirische Metropole Belfast führen. Am zweiten Tag fährt das Peloton nach Armagh (ebenfalls Nordirland), am dritten nach Dublin. Von dort geht es mit Flugzeugen nach Italien. Beendet wird die Rundfahrt am 1. Juni in der norditalienischen Stadt Triest. (mehr…)