Geschichte

Häftling 64401

Adolf Burger, Falschgeldwerkstatt im KZ Sachsenhausen, Operation BernhardMit Adolf Burger starb der vermutlich letzte Teilnehmer der Falschgeldaktion »Operation Bernhard« aus dem KZ Sachsenhausen. Florian Osuch junge Welt 28.12.2016
Anfang Dezember ist der Holocaustüberlebende Adolf Burger gestorben. Der Slowake hatte die Leiden von sieben Konzentrationslagern überstanden und war am Falschgeldkommando im KZ Sachsenhausen beteiligt gewesen. Bis ins hohe Alter berichtete er als Zeitzeuge vor Schulklassen, auch in Deutschland. Sein autobiographisches Buch »Des Teufels Werkstatt« diente als Vorlage für den Film »Die Fälscher«, der im Jahr 2008 einen Oscar als bester fremdsprachiger Film gewann. (mehr…)

Sieg der »Volksfront«

Frente Popular, Spanien 1936Vor 80 Jahren gewann das Bündnis aus Sozialisten, Kommunisten und liberalen Kräften die spanischen Parlamentswahlen. Florian Osuch, junge Welt, 13.02.2016
Am 16. Februar 1936 gewann in Spanien die »Frente Popular« – ein Bündnis aus Sozialisten, Kommunisten und bürgerlich-liberalen Republikanern – die Parlamentswahlen. Unterstützt wurden sie von Anarchisten und Anhängern der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung. Das Mehrheitswahlrecht in Spanien begünstigte es, dass sich Parteien in Koalitionen zusammenschließen. Mitte der 1930er Jahre sorgte zudem der Aufstieg faschistischer und nationalistischer Bewegungen in Europa dafür, dass sich auch in Spanien die antifaschistischen Kräften verbündeten. Im Nachbarland Portugal hatte 1933 António Salazar den faschistischen »Estado Novo«, den »Neuen Staat«, ausgerufen. Im gleichen Jahr war Hitler in Deutschland die Macht übertragen worden, und in Italien herrschte Mussolini bereits seit 1925. Wie real die faschistische Bedrohung in Spanien war, sollte sich mit dem Putsch unter General Francisco Franco nur ein halbes Jahr nach dem Sieg der Volksfront zeigen. (mehr…)

Als die Volksfront siegte

Frente Popular, Spanien 1936Vor 80 Jahren gründete sich in Spanien die Frente Popular. Die Wahlen im Monat darauf gewann sie. Vorausgegangen waren Streiks und Aufstände. Florian Osuch, junge Welt, 16.01.2016
Am 15. Januar 1936 schlossen sich in Spanien Sozialisten und Kommunisten mit bürgerlichen, republikanischen Parteien, unterstützt von der katalanischen Linken, zusammen. Der Frente Popular, so der spanische Begriff für Volksfront, hatte die Rettung der Zweiten Spanischen Republik gegen die aufstrebenden Faschisten zum Ziel. Und tatsächlich: Bei den Wahlen, die im Februar stattfanden, gewann das Bündnis eine Mehrheit im Parlament. In der Folge entfesselten die Faschisten den Bürgerkrieg – mit dem bekannten Ausgang. Was aber ging der Bildung und dem Aufstieg des Frente Popular voraus? (mehr…)

Francos langer Schatten

Juan Carlos (l.) und Franco (r.)

Vor 40 Jahren starb der spanische Diktator. Florian Osuch, Unsere Zeit Welt, 11.12.2015
Rund um den 20. November 2015 fanden in Spanien wie in den Jahren zuvor Kundgebungen, kirchliche Zeremonien und andere Ehrungen anlässlich des Todestages des Diktators Francisco Franco statt. In der „jungen Welt“ war von landesweit 40 katholischen Messen zu lesen. In Madrid nahmen an einem Marsch „für die Einigkeit Spaniens“ neben Vertretern rechtsextremer Splitterparteien aus Spanien auch Delegationen aus Frankreich und Italien teil. Im „Valle de los daídos“, einem Wallfahrtsort spanischer Alt- und Neofaschisten, gab es eine katholische Messe. Im „Tal der Gefallenen“ liegt Francisco Franco (1882–1975) begraben, neben José Antonio Primo de Rivera (1903–1936), dem Gründer der faschistischen Bewegung „Falange Española“. Das Monumentalbauwerk liegt etwa 60 Kilometer nordwestlich von Madrid und war zwischen 1940 und 1959 von mehreren tausend Zwangsarbeitern errichtet worden. (mehr…)

Francos langer Schatten

Madrid, Spain, homenaje fascista, Franco, Division Azul, Falange
Faschisten in Spanien gedenken »Division Azul«; flickr/theyedroppers world (CC BY-NC-SA 2.0)

Der spanische Diktator starb vor 40 Jahren. Ein wirklicher Bruch wurde nach seinem Tod nicht vollzogen. Das wirkt bis heute nach. Florian Osuch, junge Welt, 11.11.2015
Spanien tut sich schwer mit dem Erbe des Franquismus. Einen Bruch mit dem Faschismus gab es nicht, und eine Aufarbeitung steht bis heute aus. General Francisco Franco hatte in Spanien 1936 gegen eine Linksregierung geputscht. Deutschland und Italien leisteten ihrem Partner Schützenhilfe, während Tausende Antifaschisten aus aller Welt der Republik zu Hilfe eilten. Deutsche Flugzeuge zerstörten das baskische Gernika und bombardierten Madrid und Barcelona. 1939 übernahmen die Putschisten nahezu kampflos die Hauptstadt, Franco begann sogleich ein faschistisches Regime zu errichten. (mehr…)

Bombenabwurf an der Müritz

Gedenken im ehemaligen KZ Ravensbrück
Monument im KZ Ravensbrück
flickr/Jeremy Keith (CC BY 2.0)

Historische Kriegsvorbereitungen: Die Erprobungsstelle Rechlin und das vergessene KZ Retzow. Florian Osuch junge Welt 2.9.2015
Die Mecklenburgische Seenplatte ist wegen ihrer mehr als eintausend Seen überregional bekannt. Nahe Rechlin an der Müritz im Süden Mecklenburg-Vorpommerns findet auf einem Teil des Flugplatzes Lärz jeden Sommer das Musikfestival »Fusion« statt. Weitgehend vergessen ist, dass sich in diesem Gebiet während des Faschismus die zentrale Erprobungsstelle für Kriegsflugzeuge befand. Dort wurden Kampfflugzeuge, deren Ausrüstung und Waffen getestet. Man unterhielt mit dem KZ Retzow ein eigenes Lager, dessen Häftlinge Zwangsarbeit auch auf dem Flugplatz Lärz verrichteten. (mehr…)

Rezension: Antifa hieß Angriff

Buch Unrast Verlag Antifa heißt AngriffSie fackelten Autos ab und überfielen Neonazis: Ehemals militante Antifaschisten aus der BRD der 1980er Jahre berichten. Florian Osuch, junge Welt, 12.8.2015
Seit etwa zwei Jahren befindet sich die antifaschistische Bewegung in Deutschland in einer Krise. Bedeutsame Gruppierungen haben sich aufgelöst, bundesweite Großmobilisierungen liegen bereits länger zurück. Gleichzeitig wird über die Zukunft antifaschistischer Politik und über Strategien gegen Pegida, AfD oder NPD debattiert. Es erscheinen Bücher über die Bewegung oder die Geschichte der Antifaschistischen Aktion. Der Unrast-Verlag hat jetzt ein Buch herausgebracht, das sich mit dem militanten Antifaschismus der 1980er Jahre in der Bundesrepublik Deutschland beschäftigt. (mehr…)

Linke Organisierung damals und heute

Marx21: Best of KPD - Sammelband zur frühen Geschichte der Kommunistischen Partei DeutschlandsEin Sammelband zur frühen Geschichte der KPD, bevor sich die Partei «in ein Werkzeug der russischen Außenpolitik verwandelt» hatte.. Florian Osuch, SoZ – Sozialistische Zeitung, Nr. 4/2015
Anfang der 20er Jahre existierte in Deutschland mit der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) eine revolutionäre Kraft mit mehreren hunderttausend Mitgliedern und Millionen Wählern. Gegründet Ende 1918 in den Wirren der Novemberrevolution, bestand ihr Kern zunächst aus tausenden radikaler Arbeiter, die der SPD wegen deren Unterstützung für den Ersten Weltkrieg den Rücken gekehrt hatten.
Als sich die Führung der Sozialdemokraten dann noch unter Einsatz militärischer Gewalt gegen Aufstandsversuche stellte, verließen weitere zehntausende die Partei und schlossen sich der KPD an. Zu den Persönlichkeiten der ersten Stunde gehören Rosa Luxemburg, Karl Liebknecht, Paul Levi und Heinrich Brandler. (mehr…)

Geschichte einer linksradiakalen Bewegung

Buch zur Antifa von Bernd LangerBernd Langer: Antifaschistische Aktion. Florian Osuch, SoZ – Sozialistische Zeitung, Nr. 1/2015
Bernd Langer, langjähriger Antifa-Aktivist, hat ein Buch zur Geschichte der Antifaschistischen Aktion vorgelegt. Auf 266 Seiten, vielfach ergänzt durch Fotos und zeitgenössische Plakate, erzählt er die «Geschichte einer linksradikalen Bewegung». Langer war selbst Mitglied der Göttinger Gruppe Autonomen Antifa M, die von der Polizei in den 90er Jahren zerschlagen werden sollte. Er war einer von 17 Beschuldigten, gegen die wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung ermittelt wurde; das Verfahren wurde später eingestellt. Die Antifa M praktizierte eine für Autonome untypische Bündnispolitik und arbeitete auch mit bürgerlichen Kräften zusammen. Aus den eigenen Reihen wurde sie dafür zum Teil massiv angefeindet. Gleichzeitig waren ihre Demonstrationen, an deren Spitze nicht selten ein sogenannter schwarzer Block lief, weit über die Stadtgrenzen bekannt. (mehr…)

Inspirierende Kraft

Buch zur Antifa von Bernd LangerVon Thälmann bis zu „Dresden nazifrei“: Bernd Langer skizziert die Geschichte der Antifaschistischen Aktion. Florian Osuch, Antifaschistische Nachrichten, Nr. 24/2014
Bernd Langer, langjähriger Antifaktivist, hat jetzt ein Buch zur Geschichte der Antifaschistischen Aktion vorgelegt. Auf 266 Seiten, vielfach ergänzt durch Fotos und zeitgenössische Plakate, erzählt er die „Geschichte einer linksradikalen Bewegung“.
Langer selbst war Mitglied der Göttinger Gruppe Autonomen Antifa M, die von der Polizei in den 1990er Jahren zerschlagen werden sollte. Er war einer von 17 Beschuldigten, gegen die wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung ermittelt wurde; das Verfahren wurde später eingestellt. Die Antifa M praktizierte eine für Autonome untypische Bündnispolitik und arbeitete auch mit bürgerlichen Kräften zusammen. (mehr…)

Kurzrezension: Die KPD der 1920er

Marx21: Best of KPD - Sammelband zur frühen Geschichte der Kommunistischen Partei DeutschlandsDas Netzwerk Marx21, ein Zusammenschluss innerhalb der Linkspartei, hat einen Sammelband zur frühen Geschichte der Kommunistischen Partei Deutschlands herausgegeben. Florian Osuch, analyse & kritik, 15.11.2014
Seit Anfang der 1920er Jahre existierte mit der KPD eine revolutionäre Kraft mit mehreren Hunderttausend Mitgliedern und Millionen WählerInnen. In dem Sammelband »Best of KPD« sind 13 Beiträge zusammengefasst. Deutlich wird, dass die KPD in jungen Jahren von tumultartigen Diskussionen, Debatten und Kontroversen geprägt war. Positionen zu wichtigen Fragen wurden im Verlauf längerer Kontroversen entwickelt und teilweise auch schnell wieder verworfen. Die Zusammensetzung der Parteiführung änderte sich fortwährend. (mehr…)

Strategische Feuerpause

Irisch-republikanisches Wandbild in Belfast
Irisch-republikanisches Wandbild in Belfast
Foto: flickr/PPCC Antifa (CC BY-NC-SA 2.0)

Vor 20 Jahren verkündete die IRA einen Waffenstillstand. Florian Osuch, junge Welt, 30.8.2014
Von bundesdeutschen Medien weitgehend unbeachtet, verstarb in der vergangenen Woche der ehemalige irische Ministerpräsident Albert Reynolds. Er war eine Schlüsselfigur im Friedensprozeß in Nordirland. Am 31. August 1994 erklärte die IRA einen einseitigen Waffenstillstand und ebnete den Weg für Verhandlungen zu einem dauerhaften Frieden. Gerry Adams, Vorsitzender der irisch-republikanischen Partei Sinn Féin, bezeichnete die Einstellung der IRA-Operationen vor 20 Jahren als »beispiellose Initiative einer ungeschlagenen Armee«. (mehr…)

Gedenkschrift für Willi Bredel

Gedenkschrift für Willi BredelDie Hamburger Willi-Bredel-Gesellschaft hat anläßlich des 50. Todestags des Schriftstellers und Namensgebers ihrer Geschichtswerkstatt am 27. Oktober ein Gedenkheft herausgegeben. Florian Osuch, junge Welt, 30.6.2014
Willi Bredel (1901–1964), einer Arbeiterfamilie entstammend, schloß sich früh dem Spartakusbund und der KPD an. Für seine Teilnahme am Hamburger Aufstand 1923 wurde er zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Bereits im März 1933 verhafteten ihn die Nazis und brachten ihn ins KZ Fuhlsbüttel. Ihm gelang die Flucht über Moskau nach London, wo er mit Bertolt Brecht und Lion Feuchtwanger in der Redaktion der Exilzeitschrift „Das Wort“ arbeitete. (mehr…)

Antifa auf den Spuren der DDR-Geschichte

Veranstaltung mit Zeitzeugen in Fürth. Florian Osuch, junge Welt, 18.6.2014
Weit mehr als 20 Jahre nach dem Ende der DDR beginnen sich langsam Antifa­gruppen für das sozialistische Experiment zu interessieren. In Berlin lautete der Titel einer Veranstaltung »Die radikale Linke und der Realsozialismus« – junge Aktivisten debattierten mit einem ehemaligen Oberst der NVA, der westdeutschen Militanten Inge Viett von der »Bewegung 2. Juni« (sie war vor Verfolgung in der BRD ins sozialistische Exil gegangen) und einem ehemaligen linken DDR-Oppositionellen. (mehr…)

Drei Anläufe zu „Home Rule“

Premierminister Gladstone
Premierminister Gladstone

Großbritannien billigte Irland 1914 erstmalig Selbstbestimmungsrechte zu. Florian Osuch, junge Welt, 24.5.2014
Seit fast einhundert Jahren ist Irland geteilt. Der Norden der Insel gehört zu Großbritannien, der Süden ist unabhängige Republik. Die Aufspaltung Irlands wurde mit der Gründung des »Irish Free State« im Jahr 1922 besiegelt, die Grundlagen wurden allerdings früher gelegt.
Am 25. Mai 1914 verabschiedete das britische Parlament ein Gesetz mit der Bezeichnung ­»Home Rule« (englisch etwa Selbstregierung) und übertrug Irland Rechte der Selbstbestimmung. Der nordöstliche Teil der Insel blieb von den Regelungen ausgespart. Über 40 Jahre war die Home-Rule-Bewegung für eine Teilautonomie eingetreten. Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges durchkreuzte jedoch die Pläne, und in Irland erstarkten Forderungen nach einem radikalen Bruch mit England. (mehr…)