»Ende Gelände« in der Lausitz

Aktion Ende Gelände in der Lausitz, 2016
Aktion Ende Gelände in der Lausitz, 2016

Proteste gegen Braunkohleförderung: Tagebau und Kraftwerk blockiert. Florian Osuch, junge Welt, 17.05.2016
Am Pfingstwochenende haben in der Lausitz mehrere tausend Klimaaktivisten die Braunkohleförderung im Tagebau Welzow-Süd zum Erliegen gebracht. Sie besetzten Bagger, ließen sich auf Gleisen nieder und schnitten so den Nachschub für das Kraftwerk »Schwarze Pumpe« bei Spremberg ab. Dessen Betreiber, der schwedische Staatskonzern Vattenfall, musste die Leistung der Kraftwerksblöcke um bis zu 80 Prozent drosseln. Für insgesamt 48 Stunden seien Tagebaubetrieb und Verladestation blockiert worden, 24 Stunden lang sei das Kraftwerk vom Kohlenachschub abgeschnitten gewesen, hieß es in einer Abschlusserklärung der Aktion »Ende Gelände« vom Sonntag. Das Bündnis hatte die Blockaden im Vorfeld als Aktionen des zivilen Ungehorsams angekündigt.

Am Freitag waren bis zu 2.000 Menschen an zwei Stellen in den Tagebau Welzow-Süd eingedrungen und hatten mehrere der bis zu einhundert Meter hohen Bagger besetzt. Der Werkschutz von Vattenfall forderte sie per Lautsprecher zum Verlassen der Grube auf. Parallel wurde auch ein Verladebahnhof besetzt. Die Polizei ließ die Protestierer weitgehend gewähren, auch weil Tagebau, Bahnhof und Gleisstrecken nicht eingezäunt sind. Nach Auffassung der Polizei sei deshalb der Straftatbestand des Hausfriedensbruchs nicht gegeben.

Daneben gab es auch kleinere Aktivitäten, die bewirkten, dass weitere Nachschubwege unpassierbar wurden. Aktivisten von Robin Wood seilten sich von einer Brücke ab und blockierten mehrere Gleise. Zwei Frauen hatten sich an einer Eisenbahnschiene fixiert, wieder andere hatten sich an eine Betonpyramide gekettet. Die ersten Proteste verliefen gewaltfrei, bei vielen Aktiven herrschte ausgelassene Stimmung. Einige hundert Menschen hielten die Blockaden über Nacht aufrecht.

Am Samstag machten sich wieder mehrere tausend Menschen per Fahrrad, Bus oder zu Fuß auf den Weg, die letzten freien Trassen für das Kraftwerk »Schwarze Pumpe« zu blockieren bzw. ihre Mitstreiter abzulösen, die dort genächtigt hatten. Gegen Mittag verkündete »Ende Gelände«, sämtliche Gleiszugänge zum Kraftwerk seien blockiert. »Auch von Vattenfall vorbereitete Vorratszüge mit Braunkohle können derzeit nicht im Kraftwerk verfeuert werden«, hieß es. Bis zu 2.000 Menschen würden Tagebau, Schienen und Verladekran blockieren. Gleichzeitig beteiligten sich eintausend Menschen an einer Demonstration in Welzow.

Als mehrere hundert Menschen auf das Gelände des Kraftwerks vordrangen und dabei auch einen Zaun überwanden, eskalierte die Lage kurzzeitig. Die Polizei ging mit Schlagstöcken und Pfefferspray vor. Auch der Werkschutz von Vattenfall mischte mit. Nach Angaben von »Ende Gelände« wurden mehr als 140 Personen festgenommen. Vielen sei der Zugang zu Sanitäranlagen und Nahrungsmitteln verwehrt worden.

Zu einer Eskalation ganz anderer Art kam es ebenfalls am Sonnabend, als Befürworter der Kohleförderung laut taz versuchten, eine Gleisblockade zu stürmen. Es sei zu Attacken und Handgreiflichkeiten gekommen. Neben Anwohnern seien auch Neonazis unter den Angreifern gewesen, hieß es. Sie hätten Böller auf die Aktivisten geworfen. Darüber hinaus seien mehrere Teilnehmer der Blockaden auf dem Rückweg in ein Camp nahe der Ortschaft Proschim bedrängt und beschimpft worden, einem Antikohledemonstranten wurden die Reifen zerstochen. Die Polizeidirektion in Cottbus teilte mit, ebenfalls bei Proschim sei eine Gruppe von 57 Personen festgesetzt worden. Darunter waren überwiegend Neonazis, die zum Teil der Polizei als Straftäter rechtmotivierter Delikte bekannt waren.

Die Aktionen wurden am Sonntag nachmittag von den Organisatoren für beendet erklärt. Die allermeisten verließen die Blockaden, nur einige Dutzend Aktivisten hielten Förderbagger und Gleise bis zum Abend besetzt. Das Wochenende habe »alle Erwartungen übertroffen«, sagte Hannah Eichberger von »Ende Gelände«. Die Proteste waren durch eine große Zahl internationaler Aktivisten geprägt, darunter aus Frankreich, Belgien, Dänemark, Polen, Tschechien, Großbritannien und Schweden.


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