»Germanenabend« mit Pirinçci

Akif Pirinçci
Akif Pirinçci, Wikipedia (CC-BY-SA-2.0)

Rechter Krawallautor soll bei Burschenschaft in Hamburg über »Verschwulung« referieren. Florian Osuch junge Welt 25.11.2015
Die rechte »Hamburger Burschenschaft Germania« organisiert für den 5. Dezember eine Lesung mit dem Autor Akif Pirinçci. In einer über »soziale Netzwerke« verbreiteten Ankündigung heißt es, man sei gespannt auf »seine knackigen Worte und ›blumigen‹ und treffsicheren Beschreibungen dieser verkorksten Republik«. Auf der als »Germanenabend« betitelten Veranstaltung werde Pirinçci aus seinem Buch »Die große Verschwulung« vorlesen. Darin kämpfe der Autor »gegen die Verweichlichung der Männer, das Elend der Gleichmacherei und die Ideologen der grausamen Gender-Propaganda«, so jedenfalls steht’s in einem PR-Text des Verlags.

Bekannt geworden war der 1959 in Istanbul geborene Autor ursprünglich ab 1989 durch Katzenkrimis. Spätestens seit 2012 publizierte er aber auch in rechten Medien wie der Wochenzeitung Junge Freiheit und dem Magazin Eigentümlich frei und war regelmäßig Autor des islamfeindlichen Blogs Achse des Guten. Pirinçci ist nicht zum ersten mal Gast bei der »Hamburger Burschenschaft Germania«. 2014 trat er in deren Räumen in der Sierichstraße im Stadtteil Winterhude auf und las aus seinem Pamphlet »Deutschland von Sinnen. Der irre Kult um Frauen, Homosexuelle und Zuwanderer«.

Mit dieser und anderen Hetzschriften wurde Pirinçci schnell beliebt in der rechten und neonazistischen Szene. Bundesweit folgt er Einladungen, sei es von der »Alternative für Deutschland«, der Kleinpartei Die Freiheit oder dem rechtsextremen Witikobund. Berührungsängste hat Pirinçci bisher wohl nur noch gegenüber der NPD. Der Hamburger Experte für Rechtsextremismus, Felix Krebs, schrieb im Oktober 2014, Pirinçci sei »so etwas wie ein Thilo Sarrazin mit Migrationshintergrund auf Speed«. Nach einer Hetzrede beim Pegida-Aufmarsch am 19. Oktober 2015 in Dresden ging sogar Pegida-Gründer Lutz Bachmann auf Distanz zu Pirinçci. Der Medienkonzern Random House stoppte den Vertrieb seiner belletristischen Titel. Einige Buchversand- und Einzelhändler zogen nach. Selbst der auf eine rechte Leserschaft spezialisierte Verlag Manuscriptum kündigte die Zusammenarbeit mit Pirinçci.