Rezension: Wutbürger im Blick

Antifa Infoblatt, Herbst 2015Neue Ausgabe des Antifa Infoblatts analysiert rassistische Stimmungsmache und autonome Fehler. Florian Osuch, junge Welt, 28.10.2015
Die Herbstausgabe der Quartalszeitschrift Antifa Infoblatt hat zwei Schwerpunkte. Zunächst werden aktuelle rassistische Mobilisierungen von Pegida, Alternative für Deutschland (AfD) und anderen Gruppen analysiert. Die mehrtägigen Ausschreitungen von Neonazis in Heidenau (Sachsen) und die bundesweite Serie von Brandanschlägen auf zumeist bezugsfertige Flüchtlingsunterkünfte erinnern viele Antifaschisten an die Pogrome in Hoyerswerda (1991), Mannheim-Schönau (1992) oder vor dem »Sonnenblumenhaus« in Rostock-Lichtenhagen (1992).

Lesenswert ist hier ein Rückblick: Auch die damals starke autonome Bewegung sei mitverantwortlich, weil sie es unterlassen habe, sich dem rassistischen Mob in den Weg zu stellen. Während organisierte Neonazis aus Westdeutschland ihre teils unentschlossenen Kameraden in Rostock zum Werfen von Brandsätzen anstachelten, hätten Aktivisten »im sicheren Hinterland« gegen die politisch Verantwortlichen demonstriert. In einem Artikel zu den Ausschreitungen in Heidenau im Sommer 2015 heißt es: »Dass Heidenau nicht zu Rostock-Lichtenhagen wurde, liegt auch daran, dass Antifaschist_innen vor Ort präsenter waren und den Hass der RassistInnen – und der Polizei – auf sich zogen.«

Zweiter Schwerpunkt ist eine Bestandsaufnahme zur Neonaziszene in der Bundesrepublik. Beleuchtet wird die Entwicklung bei der NPD (»Sinkendes Schiff ohne Kurs?«) sowie bei den Kleinstparteien »Die Rechte« und »Der III. Weg«. In Sachsen seien einige enttäuschte NPD-Aktivisten zur Konkurrenz gegangen, so die Bautzener Stadträtin Daniela Stamm, die zur Partei »Die Rechte« wechselte.

In einem Debattenbeitrag für das aktuelle Antifa Infoblatt fragt Mathias Wörsching, Betreiber des Internetportals Faschismustheorie.de, ob Faschismustheorien bei der Analyse des Islamismus helfen können.

Antifa Infoblatt, Nr. 108, Herbst 2015, 3,50 Euro, 68 Seiten, Bezug: Antifa Infoblatt, Gneisenaustr. 2a, 10961 Berlin, www.antifainfoblatt.de