Kurzrezension: Niedriglohnsektor

Günter Wallraff: Immer noch ganz untenLeiharbeit, Minijobs, Scheinselbständigkeit: Günter Wallraff befasst sich mit dem Niedriglohnsektor in Deutschland. Florian Osuch, analyse & kritik, 15.5.2015
In Deutschland arbeitet rund ein Viertel aller abhängig Beschäftigen in sogenannter atypischer Beschäftigung, das heißt in Leiharbeit, befristet oder in Minijobs. In »Die Lastenträger« hat Günter Wallraff Dutzende Beispiele aus dem Niedriglohnsektor zusammentragen lassen. Seine Mitarbeiter berichten vom Rand der Arbeitsgesellschaft. Ein Fokus liegt auch auf denjenigen, die nicht einmal vom Mindestlohn profitieren: Beschäftigte mit Werkverträgen, Franchising oder Scheinselbstständigkeit.

Besonders betroffen von Armut trotz Arbeit ist die AAA-Gruppe: »Alte, Ausländer und Alleinerziehende«. Da sie keine Rücklagen bilden können, kann eine Überbrückungszeit zwischen zwei befristeten Jobs für sie zur Existenzgefährdung werden. Andere erhalten als »Aufstocker« Unterstützung vom Jobcenter, trotz eines oder mehrerer Beschäftigungsverhältnisse. In dem Buch geht es um »Menschen in unterbezahlter, miserabel bezahlter und ausbeuterisch bezahlter Arbeit«, so Wallfraff. Der Autor von »Ganz unten« (1985) hatte sich zuletzt wieder selbst undercover auf Spurensuche begeben und als Hilfsbäcker für Lidl, als Paketauslieferer und als Callcenter-Agent gearbeitet. Zu den Themen in seinem neuen Buch gehören: Missstände in der Altenpflege (»Pflege-McDonald’s«), Hungerlöhne bei Mercedes, Werkverträge in der Fleischindustrie und Schikanen beim Onlinehändler Zalando. Berichtet wird auch von kämpfenden Betriebsräten, streikenden Arbeiter_innen und Solidaritätsaktionen.

Günter Wallraff (Hg.): Die Lastenträger. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2015. 302 Seiten, 14,99 EUR.