Kurzrezension: »Lebensschützer«

Deutschland treibt sich ab. Organisierter Lebensschutz, Christlicher Fundamentalismus, AntifeminismusKleiner Band zu organisiertem »Lebensschutz«, christlichem Fundamentalismus und Antifeminismus. Florian Osuch, analyse & kritik, 15.3.2015
Im Sommer 2014 zogen Anhänger_innen der sogenannten »Lebensschutz«-Bewegung durch Berlin. Ihr »Marsch für das Leben« wurde gestört von Feministinnen und anderen Linken. Jetzt gibt es ein Buch über diese Ein-Punkt-Bewegung, die ein generelles Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen fordert. Evangelikale Organisationen nehmen innerhalb der »Lebensschutz«-Bewegung eine herausragende Rolle« ein.

Die »Lebensschützer« geben sich gleichermaßen als seriöse und professionelle Lobbyisten und als bibelfeste Fundamentalisten. Eine liberalisierte Sexualmoral lehnen sie ebenso ab wie schwule und lesbische Lebensentwürfe. Stattdessen skizzieren sie einen streng christlichen Gesellschaftsentwurf. In dem nur 98 Seiten starken Buch wird auf Begrifflichkeiten, Parolen und Argumente der »Lebensschützer« eingegangen, die bereits bei der »Pille danach« von einer »Abtreibung light« sprechen. Es gibt ein Kapitel zur Geschichte der »Lebenschutz«-Bewegung und eine Analyse zu ihrer Kulturkritik. Abschließend werden Organisationen und Publikationen vorgestellt, darunter auch die Wochenzeitung Junge Freiheit, das »Sprachrohr der Bewegung«. Die einschlägigen Vereine, Stiftungen oder Verbände sind zumeist »gut verzahnt in breitere politische Netzwerke von christlichen Gruppen, von Parteien und Organisationen der Neuen Rechten«, schreiben die Autoren. Als Einführung ist das Buch mit seinen vielen Verweisen und Erläuterungen empfehlenswert.

Eike Sanders, Ulli Jentsch, Felix Hansen: Deutschland treibt sich ab. Organisierter »Lebensschutz«, Christlicher Fundamentalismus, Antifeminismus. Unrast Verlag, Münster 2014. 98 Seiten, 7,80 EUR.