Archiv für Januar 2015

Kurzrezension: Bericht aus dem Knast

Bericht aus dem Knast. Texte von Oliver RastDie Rote Hilfe Dresden hat einen Band mit Texten des ehemaligen politischen Gefangenen Oliver Rast veröffentlicht. Florian Osuch, analyse & kritik, 15.1.2015
Der Berliner saß zwischen Sommer 2011 und September 2014 in Haft. Verurteilt wurde er wegen versuchter Brandstiftung an einem Fahrzeug der Bundeswehr und wegen Mitgliedschaft in der »militanten gruppe« (mg). Von Beginn an war Rast im offenen Vollzug und konnte die Haftanstalt tagsüber verlassen. Im Mai 2013 wurde er jedoch in den geschlossenen Vollzug verbracht, weil er erneut ins Visier der Polizei geraten war. Rast und acht weitere Genossen wurden beschuldigt, mit der Gruppierung »Revolutionäre Aktionszellen« (RAZ) eine Nachfolgeorganisation der mg gebildet zu haben; außerdem wurden sie für die Herstellung der Untergrundzeitschrift radikal verantwortlich gemacht. (mehr…)

Interview »Die linksradikale Bewegung ist momentan im Umbruch«

Interview mit einem Mitglied der radikalen linken berlinDer Verfassungsschutz schlägt Alarm: In Berlin gibt es eine linke Gruppe, die besonders militant sein soll. Gespräch mit Kamila Bach, Mitglied der »radikalen linken berlin«. Florian Osuch, junge Welt, 10.1.2015

Antifa in der Krise«, konstatierte im vergangenen Jahr ein Kongress in Berlin. Nachdem sich landauf, landab etliche Gruppen aufgelöst haben, gibt es jetzt aber eine Neugründung: die »radikale linke berlin«. Warum?
Die linksradikale Bewegung ist momentan im Umbruch. Alte Zusammenhänge haben sich aufgelöst, neue sind entstanden. Uns geht es darum, linken Widerstand zu organisieren. Die Gründung der »radikalen linken berlin« ist der Versuch, aus den Erfahrungen zu lernen, um gemeinsam in die Gesellschaft hinein wirken zu können. Wir wollen uns nicht von den Menschen abwenden und in einer »Szene« einrichten. Wo das Leben ist, muss auch die radikale Linke sein. (mehr…)

Rezension: Immer noch ganz unten

Günter Wallraff: Immer noch ganz untenLeiharbeit, Minijobs, Scheinselbständigkeit: Günter Wallraff befasst sich mit dem Niedriglohnsektor in Deutschland. Florian Osuch, junge Welt, 6.1.2015
Nach einem Bericht von Böckler-Impuls der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stifung arbeiten in der Bundesrepublik mehr als acht Millionen Menschen im sogenannten Niedriglohnsektor, das sind knapp ein Viertel aller Beschäftigten. Sie verdienten weniger als zwei Drittel des mittleren Stundenlohns, also unter 9,30 Euro. Seit 1995 hat sich die Anzahl derer, die solch niedrige Löhne erhalten, von 5,9 auf 8,4 Millionen Menschen erhöht. Besonders betroffen sind Jüngere, Geringqualifizierte, befristet Angestellte, Ausländer, Beschäftigte über 54 Jahren und Alleinerziehende. (mehr…)

Prozess gegen Tim H. in Dresden

Prozess gegen Tim H. in DresdenPolizei der Videomanipulation überführt. Florian Osuch, SoZ – Sozialistische Zeitung, Nr. 1/2015
Am 8.Dezember 2014 begann in Dresden der Prozess gegen den Berliner Antifaschisten Tim H. wegen Beteiligung an Protesten gegen Neonazis am 19.Februar 2011. Damals verhinderten Sitzblockaden des Bündnisses «Dresden nazifrei», an dem sich bis zu 21000 Menschen beteiligten, darunter mehrere hundert Antifaschisten aus Nordrhein-Westfalen, einen Neonaziaufmarsch.Tim H. wird vorgeworfen, ein Megafon getragen und Demonstranten mit dem Ruf «Kommt nach vorne!» zum Durchbrechen einer Polizeikette aufgerufen zu haben. In einem ersten Verfahren wurde er im Januar 2013 u.a. wegen Landfriedensbruch zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr und zehn Monaten ohne Bewährung verurteilt, welche er jedoch nicht antreten musste, weil er dagegen Rechtsmittel einlegte. (mehr…)

Geschichte einer linksradiakalen Bewegung

Buch zur Antifa von Bernd LangerBernd Langer: Antifaschistische Aktion. Florian Osuch, SoZ – Sozialistische Zeitung, Nr. 1/2015
Bernd Langer, langjähriger Antifa-Aktivist, hat ein Buch zur Geschichte der Antifaschistischen Aktion vorgelegt. Auf 266 Seiten, vielfach ergänzt durch Fotos und zeitgenössische Plakate, erzählt er die «Geschichte einer linksradikalen Bewegung». Langer war selbst Mitglied der Göttinger Gruppe Autonomen Antifa M, die von der Polizei in den 90er Jahren zerschlagen werden sollte. Er war einer von 17 Beschuldigten, gegen die wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung ermittelt wurde; das Verfahren wurde später eingestellt. Die Antifa M praktizierte eine für Autonome untypische Bündnispolitik und arbeitete auch mit bürgerlichen Kräften zusammen. Aus den eigenen Reihen wurde sie dafür zum Teil massiv angefeindet. Gleichzeitig waren ihre Demonstrationen, an deren Spitze nicht selten ein sogenannter schwarzer Block lief, weit über die Stadtgrenzen bekannt. (mehr…)