»No Pasarán« in Donezk

Antifaschisten aus Madrid unterstützen die »Volksrepublik« in der OstukraineAntifaschisten aus Madrid unterstützen die »Volksrepublik« in der Ostukraine. Florian Osuch, junge Welt, 20.8.2014
Zwei junge Männer aus Spanien befinden sich seit mehreren Wochen im Osten der Ukraine. Sie unterstützen als »Freiwillige im Battalion Vostock« die ausgerufene »Volksrepublik Donezk«. Nach eigenen Angaben hatten Rafael Muñoz und Ángel Davilla über Monate die Lage in der Ukraine und den wachsenden Einfluß der Faschisten in Kiew verfolgt. Nach dem Massaker vom 2. Mai in Odessa, als Anhänger des »Rechten Sektors« ein Gewerkschaftshaus in Brand setzten und Dutzende Menschen verbrannten, hätten sie den Entschluß gefaßt, sich in das Krisengebiet zu begeben. Nach Angaben der Zeitung El País reisten Muñoz und Davilla im Juli aus Madrid in die Ukraine.

Seit dem Putsch in Kiew arbeitet in der spanischen Hauptstadt ein »Komitee zur Unterstützung der Antifaschisten in der Ukraine«. Es hat in den vergangenen Monaten Veranstaltungen und verschiedene Aktionen organisiert. So wurde vor den Konsulaten der Ukraine und auch dem der USA protestiert. Solidaritätsgruppen gibt es auch in Asturien und im Baskenland. Die Komitees sehen sich in der Tradition der Internationalen Brigaden, die im Spanienkrieg (1936–39) auf der Seite der Republik und einer breiten Linksregierung gegen die faschistischen Truppen des Generals Franco kämpften.

Rafael Muñoz ist 27 Jahre und kommt aus Gijón in Asturien, Nordspanien. Er war dort in der Jugendorganisation der Linkskoalition Izquierda Unida aktiv. Ángel Davilla ist 22 Jahre alt und kommt aus Südspanien. Er war in Cartagena bei der Jugendsektion des kleinen Partido Comunista de los Pueblos de España aktiv. Die beiden dürften mittlerweile international bekannt sein. Neben zahlreichen spanischen Zeitungen und Fernsehsendern berichtete unter anderem der russische Sender Russia Today (RT) und der Kanal ­France 24 über die beiden. Selbstproduzierte Interviews verbreiteten sich im Internet schnell über die Plattformen Youtube und Facebook. In einem Video sind die Spanier in einem Waldstück zu sehen – umringt von teils schwer bewaffneten Milizionären. In einer Hand halten sie Sturmgewehre, die andere Hand ist zur Faust geballt. Muñoz verabschiedet sich mit »No Pasarán!« (»Sie werden nicht durchkommen!«) – der Parole der Internationalen Brigaden.

Am 15. August haben Muñoz und Davilla einen offenen Brief an den spanischen Außenminister, José Manuel García-Margallo von der rechten Volkspartei, verfaßt. Sie legen darin ihre Beweggründe dar, warum sie sich in diese lebensbedrohliche Lage versetzt haben. Sie fordern die Madrider Regierung auf, Partei für die bedrohte Zivilbevölkerung in der Ostukraine zu ergreifen.

Gegenüber einem spanischen Ableger von RT bezeichnete Rafael Muñoz die Brandlegung im Gewerkschaftshaus in Odessa als »Akt der Barbarei«. Er kritisiert die spanischen Medien scharf, die »voller Lügen« seien. Für ihn sei es traurig, daß die Mehrheit der Menschen in seinem Heimatland glaube, was die Mainstreampresse meldet. Die Menschen, denen Muñoz und Davilla zur Seite stehen, würden in spanischen Medien als »Terroristen« und »Kriminelle« bezeichnet. Es seien jedoch »Arbeiter, die ihre Familien und ihre Häuser gegen die Angriffe der Soldaten aus Kiew verteidigen«, so Davilla.

Ein Aufruf, sich für die »Volksrepublik Donezk« zu engagieren, kommt derweil auch aus Italien. Die Band Banda Bassotti plant eine Reise in die Gebiete, die sich gegen »faschistische Attacken« wehren, wie sie in einer Videobotschaft verkünden. Die populäre Musikgruppe sagte darin, sie wolle den Antifaschisten in der Ukraine helfen, so wie sie in den vergangenen Jahren bereits die Freiheitsbestrebungen »in Nicaragua 1984, in El Salvador 1994 und in Palästina 2004« unterstützt hätten. Ihre Reise ist vom 26. bis 30. September geplant. Ihnen angeschlossen hat sich auch Pat Thetic, Schlagzeuger der US-Punkband Anti-Flag.