Stürmen und zündeln

Fote Flora Hamburg
Rote Flora in Hamburg (2011), Foto: flickr/enbodenumer (CC BY-NC-SA 2.0)

Angeheuerte Sicherheitsleute sollten offenbar Rote Flora in Hamburg kapern. Immobilienhai brachte wohl auch Brandstiftung ins Spiel. Florian Osuch, junge Welt, 22.5.2014
Der Inhaber der besetzten Roten Flora in Hamburg, der Immobilienspekulant Klausmartin Kretschmer, soll geplant haben, das linke Kulturzentrum zu stürmen. Laut Hamburger Morgenpost (MoPo) sei ein Team von Türstehern engagiert worden, in das Gebäude einzudringen und es zu verbarrikadieren. Das behauptet ein ehemaliger Sicherheitsmann, der eine Eidesstattliche Versicherung abgab. Flora-Eigner Kretschmer äußerte sich nicht zu den Anschuldigungen, ließ die Behauptungen über seinen Berater Gert Baer jedoch zurückweisen. Baer bestätigte, daß über die Erstürmung der Flora gesprochen worden war, allerdings sei die Idee von dem Sicherheitsmann selbst vorgebracht worden.

Das Team der Türsteher hatte bereits konkrete Pläne geschmiedet, besuchte Veranstaltungen in der Roten Flora und fotografierte die Räumlichkeiten. Zehn Männer sollten in das Zentrum eindringen, es verbarrikadieren und mit NATO-Stacheldraht sichern. Sie sollten mit Luftdruckpistolen und Pfefferspray bewaffnet sein. Kretschmer soll gegenüber dem 33jährige Sicherheitsmann gesagt haben: »Wir gehen rein und Hamburg fängt an zu brennen.«

Damit werden Vermutungen bestätigt, wonach Immobilienspekulant Kretschmer durch provokative Aktionen versuchen würde, Streit um die Rote Flora zu stiften. Der Preis für einen Rückkauf der Immobilie an die Stadt sollte demnach in die Höhe getrieben werden. Im Januar hatte Finanzsenator Peter Tschentscher (SPD) überraschend angekündigt, Grundstück und Gebäude für insgesamt 1,1 Millionen Euro zurückkaufen zu wollen. Der Immobilienhai wollte jedoch mehr und sprach von Investoren, die das zehnfache des von der Stadt genannten Preises angeboten hätten – einen Käufer präsentierte er nie. Seit vergangener Woche deutet sich an, daß Kretschmer pleite ist. Laut NDR ist ein vorläufiges Insolvenzverfahren eingeleitet.

Zu einem ersten Kontakt zwischen Flora-Eigentümer und den Sicherheitsleuten sei es bereits im November vorigen Jahres gekommen. Ab Dezember sollen die Männer die Rote Flora ausspioniert haben. Am 21. Dezember – an diesem Tag war es bei einer Demonstration für den Erhalt der Roten Flora in Hamburg zu schweren Ausschreitungen gekommen – habe Kretschmer die Männer als Wachleute engagiert. Sie sollten seine Immobilien schützen. Insgesamt 10.000 Euro soll Kretschmer versprochen, jedoch nur 2000 bezahlt haben. Bei einem Treffen soll der Flora-Eigner dann sogar die Inbrandsetzung des Zentrums vorgeschlagen haben. Einer der Sicherheitsleute behauptet, Kretschmer hätte gefragt, was es ihn kosten würde, »wenn das Ding brennt«? Doch die Männer wollten keine Brandstifter sein. Damit blieb es beim Plan der Erstürmung der Flora. Mitte März habe es einen letzten persönlichen Kontakt gegeben, später sei nur noch per SMS kommuniziert worden. Die Sicherheitsleute fürchteten, ihr versprochenes Geld nicht zu erhalten, und wandten sich an eine Kanzlei, die die Rote Flora in Rechtsfragen berät. Dies bestätigte die Rechtsanwältin Ingrid Witte-Rohde aus dem Anwaltskollektiv gegenüber junge Welt. Sie wies darauf hin, daß Kretschmer-Berater Bert Baer gar nicht bezweifle, daß es Gesprächen über die Erstürmung der Flora gab.

Maarten Thiele, Aktivist im Netzwerk »Recht auf Stadt«, sagte jW, das Kapitel Kretschmer müsse endlich ein Ende haben. Christiane Schneider, Innenpolitische Sprecherin der Linkspartei aus der Hamburgischen Bürgerschaft erklärte, die mögliche Anstiftung zur Brandlegung müsse nun von der Staatsanwaltschaft aufgeklärt werden.