Rote Flora: Verspekuliert

Fote Flora Hamburg
Rote Flora in Hamburg
Foto: flickr/seven_resist (CC BY-NC-SA 2.0)

Inhaber der Roten Flora in Hamburg offenbar insolvent. Vorerst kein Verkauf möglich. Der Immobilienmakler dementiert Zahlungsunfähigkeit. Florian Osuch, junge Welt, 20.5.2014
Der Streit um das linke Kulturzentrum Rote Flora in Hamburg hat eine überraschende Wendung genommen. Der Eigentümer des besetzten Gebäudes, der Immobilienmakler Klausmartin Kretschmer, ist offenbar insolvent. Laut NDR ist ein vorläufiges Insolvenzverfahren eingeleitet. Während dieser Zeit kann er sein Eigentum nicht veräußern. Damit bleibt es beim Status quo des seit November 1989 besetzten Gebäudes. Kretschmer wollte die Rote Flora räumen lassen und ein kommerzielles Kulturzentrum errichten. Darüber hatte es Streit mit der Bezirksverwaltung und dem Hamburger Senat gegeben. In der Stadt herrscht zwischen den Parteien weitgehende Einigung, daß die Rote Flora bestehen bleiben soll – wenn auch nicht in der aktuellen Form als autonomes Kulturzentrum.

Der vorläufige Insolvenzverwalter, Nils Weiland, erarbeitet nun ein juristisches Gutachten über die Vermögensverhältnisse Kretschmers. Solange kann dieser sein Eigentum nur noch mit dessen Zustimmung veräußern. Im Gespräch mit dem NDR sagte Weiland, er werde eine solche Genehmigung nicht erteilen. Sobald das Gutachten vorliegt, befassen sich Gerichte mit der Frage, ob gegen Kretschmer ein ordentliches Insolvenzverfahren eröffnet wird.

Klausmartin Kretschmer hat sich offenbar gehörig verspekuliert. Er hatte das Gelände und das Gebäude im Jahr 2001 für umgerechnet 190.000 Euro erworben und wollte es gewinnbringend verkaufen. Immer wieder hatte er von Kaufangeboten in Höhe von mehreren Millionen Euro gesprochen, jedoch nie potentielle Käufer präsentiert. Die Besetzer der Roten Flora, die zur autonomen Szene in Hamburg gehören, hatten regelmäßig für den Weiterbetrieb ihres Zentrums demonstriert. Am 21. Dezember des vergangenen Jahres versammelten sich bis zu 10.000 Menschen bei einer Demonstration für den Erhalt der Roten Flora. Nachdem die Polizei den Zug nach wenigen hundert Metern gestoppt hatte, kam es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. Die Polizei ging mit Wasserwerfern und Schlagstöcken vor. Demonstranten bewarfen die Beamten mit Flaschen und Steinen, es gab Verletzte auf beiden Seiten.

Anfang dieses Jahres erklärte der SPD-geführte Senat der Hansestadt, man wolle das Gelände und das Gebäude selbst kaufen, um »den Frieden in der Stadt zu wahren«, wie es damals hieß. Kretschmer witterte das ganz große Geschäft und fabulierte von Investoren, die ihm bis zu 20 Millionen Euro geboten hätten. Doch Hamburgs Finanzsenator Peter Tschentscher (SPD) ließ sich nicht verunsichern und legte ein Kaufangebot für die Rote Flora in Höhe von 1,1 Millionen Euro vor. Falls Kretschmar das Angebot ablehnen sollte, werde die Stadt notfalls ihr Rückkaufrecht in Anspruch nehmen – dann erhalte der Immobilienspekulant nur die 190.000 Euro, die er im Jahr 2001 selbst bezahlt hatte. Die Frist ist mittlerweile verstrichen.

Klausmartin Kretschmer wiegelt derweil ab. Über seinen Berater Gert Baer ließ er mitteilen, er sei nicht zahlungsunfähig, und es werde daher nicht zur Eröffnung eines Insolvenzverfahrens kommen. Berater Bear sagte gegenüber dem NDR, Hintergrund seien langwierigen Steuerstreitigkeiten mit den Finanzbehörden, die teilweise bereits vor Gerichten ausgetragen würden. Es ginge »nicht um astronomische Summen« und Kretschmer sei bereit, seine Steuerschuld zu begleichen.


1 Antwort auf “Rote Flora: Verspekuliert”


  1. 1 Stürmen und zündeln « Florian Osuch – Artikel und Beiträge Pingback am 22. Mai 2014 um 19:49 Uhr
Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.