Madrid: Organisiert gegen Neonazis

Interview mit der Antifaschistischen Linken FreiburgVor zehn Jahren wurden die »Brigadas Antifascistas« in Madrid gegründet. Florian Osuch, junge Welt, 23.04.2014
In der spanischen Hauptstadt begehen die linksautonomen Antifaschistischen Brigaden (Brigadas Antifascistas, BAF) derzeit ihr zehnjähriges Bestehen. In einer Broschüre blicken sie auf ihre Arbeit seit ihrer Gründung im Frühjahr 2004 zurück. Darin heißt es, die 1990er Jahre seien von »harten Auseinandersetzungen« zwischen Antifaschisten und Neo­nazis geprägt gewesen. Als Reaktion schlossen sich in Madrid und anderen Städten Menschen zusammen, um den Rechten auf der Straße die Stirn zu bieten. Das Fazit der BAF ist durchaus positiv. In mehreren Städten seien faschistische Strukturen – gemeint sind unorganisierte Neonazis und rechte Cliquen – zurückgedrängt und zerschlagen worden.

Die BAF verstanden sich als organisatorisches Dach, das »verschiedene Formen des Kampfes und unterschiedliche Einstellungen« zusammenbrachte. Das ist bedeutsam, weil die außerparlamentarische Linke in Spanien gespalten ist. Ein Teil steht libertär-anarchistischen Einstellungen und einer autonomen Selbstorganisierung der Arbeiter nahe, wie sie insbesondere während der Spanischen Republik vielerorts teils erfolgreich praktiziert worden war. Ein anderer Teil nennt sich sozialistisch und bezieht sich auf die Tradition der kommunistischen Bewegung.

Im Fokus der BAF stand die Festigung eigener antifaschistischer Strukturen. In zahlreichen Städten des spanischen Zentralstaates sowie im Baskenland und in Katalonien entstanden Gruppen, die sich an diesem Konzept orientierten. Inspiriert wurden sie auch von der Antifabewegung in der Bundesrepublik, wo unterschiedliche linke Organisationen im Kampf gegen Neonazis seit Jahren zusammenarbeiten.

Hervorzuheben ist bei der Politik der BAF die antifaschistische Selbsthilfe: Militantes Vorgehen gegen Neonazis wird propagiert und praktiziert. Zeitweise entwickelte sich um die BAF eine Art Mythos, weil sie in einigen Bezirken in Madrid und auch in Vorstädten offensiv agierte. Gleichzeitig gab es eine Propagandawelle mit Plakaten und Stickern, so daß die teils martialischen Motive der BAF schnell verbreitet wurden.

In unregelmäßigen Abständen publizierten die BAF ihr Bulletin Ahora o nunca (Jetzt oder nie). Das Magazin wurde gratis verteilt, berichtete über eigene Aktivitäten in Madrid und auch über Ereignisse anderer Antifagruppen in Spanien und international. Auch in den Heften wurde Bezug auf militantes Vorgehen gegen rechts genommen. Ahora o nunca liegt in linken Läden, Kneipen und in den zahlreichen besetzten Zentren in Madrid und dem Umland aus. Zentral sind auch Infostände auf Konzerten. In Spanien gibt es eine große subkulturelle Musikszene. Viele Bands begreifen sich als antifaschistisch, beim Publikum sieht es jedoch anders aus. Es gibt einen Teil, der politische Einflußnahme auf ihre Musikkultur – sei es von rechts oder von links – ablehnt; diese werden von Antifaschisten »Apoliticos« genannt. Ein Motto der BAF lautet dagegen: »Keine Nazis, keine Apoliticos, 100 Prozent Antifa!«