Gespaltene Rechte in Madrid

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Denkmal für die »Division Azul«, Madrid
theyedroppers world (CC BY-NC-SA 2.0)

In Spanien erinnerten Faschisten an eine franquistische Freiwilligentruppe für die Hitlerwehrmacht. Florian Osuch junge Welt 12.2.2014
In der spanischen Hauptstadt Madrid fanden am vergangenen Wochenende mehrere Veranstaltungen von Faschisten statt. Sie erinnerten an spanische Soldaten der »Blauen Division«, einer Freiwilligendivision im Zweiten Weltkrieg. Spaniens Diktator Francisco Franco hatten diesen Verband zwischen 1941 und 1943 zur Unterstützung der deutschen Wehrmacht in ihrem Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion entsandt. Die Truppe war als »Division Azul« (Blaue Division) bekannt, ihre Teilnehmer werden von spanischen Faschisten als Helden verehrt.

Am Sonnabend versammelten sich Mitglieder und Sympathisanten der Partei »Alianza Nacional« (AN) an der Grabstätte von Agustín Muñoz Grandes, einem hochrangigen Kommandeur der »Blauen Division«. Knapp 100 Neonazis sollen sich dafür auf dem Friedhof Parroquial im Stadtteil Carabanchel eingefunden haben. Zum Ende der Veranstaltung zeigten zahlreiche Anwesende den Hitlergruß, darunter auch AN-Führer Pedro Pablo Peña.

Die Splitterparteien »Acción Nacional Revolucionaria« (Nationalrevolutionäre Aktion) führte eine eigene Ehrung auf dem Friedhof von Almudena durch. Dort steht ein großes Denkmal für die »Gefallenen der Blaue Division«. Der Friedhof wird regelmäßig zur Pilgerstätte für Alt- und Jungfaschisten, unter anderem sind dort auch deutsche Wehrmachtssoldaten der »Legion Condor« begraben. Auf der monumentalen Grabstätte prangt die bei spanischen Faschisten gängige Parole »Gestorben für Gott und Spanien«.

Die Zeitschrift La Marea hatte im Vorfeld von Streitigkeiten zwischen den Rechten berichtet, weil sie sich nicht auf eine einzige Ehrung verständigen konnten. Man bezichtigte sich gegenseitig, Parteiinteressen in den Vordergrund zu stellen. Roberto Lanzas von der »Acción Nacional Revolucionaria« (ANR) warf seinen Kontrahenten »sektiererisches Verhalten« vor. Pedro Pablo Peña von der AN stellte daraufhin klar, daß jedem seiner Parteimitglieder der »sofortige Ausschluß« drohe, falls er an der Konkurrenzveranstaltung der »Nationalrevolutionären Aktion« teilnehmen würde.

Seit längerem gibt es Streit um die Vorherrschaft im extrem rechten Lager in Spanien. Trotz Versuche der Einigung bleibt die Szene zerstritten. Erst vor einem halben Jahr hatten sich mehrere Rechtsformationen zum Bündnis »España en Marcha« (Spanien marschiert) zusammengeschlossen, darunter auch die Partei »Alianza Nacional« (jW berichtete).

Insgesamt schlossen sich knapp 18.000 Spanier im Zweiten Weltkrieg den deutschen Faschisten an, nicht wenige aus antikommunistischen Motiven. Ein erheblicher Teil der »Blauen Division« wurde bei einer sowjetischen Offensive zur Befreiung des belagerten Leningrad aufgerieben. Während der »Operation Polarstern« nahe der Siedlung Krasny Bor starben am 10. Februar 1943 Zehntausende Rotarmisten sowie mehrere tausend spanische Faschisten. Obwohl die »Blaue Division« am 20. Oktober des gleichen Jahres offiziell aufgelöst wurde, blieben bis zu 3.000 Spanier in den Reihen der Wehrmacht. Später wurden daraus zwei Freiwilligen-Kompanien der Waffen-SS, die bis zum Frühjahr 1945 auf Seiten der Nazis kämpften.