Verteidigt »La Casika«

Gefahrengebiet Hamburg
flickr/Ricardo Barquin Molero (CC BY-NC-SA 2.0)

Besetztem Kulturzentrum in Madrid droht Räumung. Demonstration am Sonnabend. Florian Osuch, junge Welt, 17.1.2014
Den sozialen Bewegungen der Metropolenregion Madrid droht der Verlust eines der ältesten besetzten Häuser. Das selbstverwaltete Zentrum »La Casika« in Móstoles, einem Vorort der spanischen Hauptstadt, soll geräumt werden. Erst vor wenigen Wochen hatten die Besetzer den 16. Geburtstag des seit Dezember 1997 okkupierten Areals mit Gebäude und einer Freifläche gefeiert. Jetzt droht die Räumung. Am Sonnabend ist eine Demonstration geplant.

Die Zeitschrift Diagonal bezeichnete »La Casika« vor kurzem als Senior unter den sozialen Zentren in ganz Spanien. Es ist über die Landesgrenze hinweg bekannt, insbesondere wegen seines umfangreichen Kulturprogramms. Regelmäßig finden dort große Konzerte und auch mehrtätige Festivals statt.

In dem Zentrum werden außerdem eine Vielzahl Workshops sowie Theater- und Filmvorführungen angeboten. »La Casika« stellt Räume für politische Organisationen, Antifa- und Umweltgruppen und für Versammlungen der Anwohnerschaft zur Verfügung.

Das Gebäude befindet sich in der Altstadt von Móstoles. Bis in die 1970er Jahre lebten dort nur rund 10.000 Menschen, die Gegend war von bäuerlicher Landwirtschaft geprägt. Im Zuge einer Landflucht und bedeutender innerspanischer Migration wuchs Móstoles zum größten Vorort der spanischen Hauptstadt. Heute wohnen dort über 200.000 Menschen.

Viele Jahre wurden die Satellitenstädte Móstoles, Getafe, Pinto oder Alcorcón als »roter Gürtel« um Madrid bezeichnet. Seit Ende der Franco-Diktatur und der Demokratisierung Spaniens zum Ende der 1970er Jahre bis ins Jahr 2003 war Móstoles sozialdemokratisch regiert. Drei Legislaturperioden war Bartolomé González Bürgermeister der Stadt, ein aus dem französischen Exil heimgekehrter Veteran, der im Spanien-Krieg auf seiten der Republik gegen die Faschisten gekämpft hatte.

Dann übernahm die postfranquistische Volkspartei (PP) das Stadtparlament. Die Konservativen entwarfen einen Städtischen Ordnungsplan, nachdem große Teile der Altstadt von Móstoles mit Häusern aus dem 19. Jahrhundert abgerissen werden sollten. Es war eine Hochphase des Baubooms und der Immobilienspekulation.

Das Zentrum konnte bis jetzt mehrere Versuche der Räumung abwenden. In Spanien gibt es nach Angaben von Diagonal bei Besetzungen drei Möglichkeiten für einen Rausschmiß, und zwar auf straf-, verwaltungs- oder zivilrechtlicher Grundlage. »La Casika« hat die ersten beiden Varianten bereits überstanden. Räumungsklagen wurden unter anderem mit der Begründung abgewiesen, in dem Zentrum würden ausschließlich öffentliche Veranstaltungen stattfinden.

Doch die Besitzer geben nicht auf und bestreiten jetzt den zivilrechtlichen Weg. Sie fordern die Räumung, Übergabe des Gebäudes und Entschädigung für angebliche Schäden an der Immobilie. Zwei Personen wurden jetzt stellvertretend für die Besetzer mit Forderungen in Höhe von knapp 69.000 Euro belegt. Der Preis soll zehn Prozent des gewünschten Marktwertes betragen. Für den 23. Januar ist ein Gerichtstermin angesetzt. Die beiden Unterstützer von »La Casika« müssen zudem eine Kaution in Höhe von 18.000 Euro hinterlegen, als Sicherheit für das Begleichen der Mängel.

Am Sonnabend ist in Móstoles eine Demonstration für den Erhalt des Zentrums geplant. »Verteidigt La Casika« und »16 Jahre Widerstand« ist auf Plakaten zu lesen. Zur Verhandlung am 23.1. wollen die Besetzer dann vor dem Gericht der Stadt »für ihre angeklagten Genossen« demonstrieren.