Großrazzia gegen Antifaschisten

Spanische Polizei verhaftet Aktivisten sozialer Bewegungen. Vorwand war Störung rechter Versammlung. Florian Osuch, junge Welt, 30.11.2013
In Madrid sind am Donnerstag bis zu 30 Aktivisten aus den sozialen Bewegungen festgenommen worden. 19 von ihnen griff die Polizei in den frühen Morgenstunden in ihren Wohnungen, in sozialen Zentren und in besetzten Häusern auf. Später durchsuchten die Beamten Arbeitsstätten der Betroffenen. Ihnen wird vorgeworfen, an der Störung einer Veranstaltung von Rechtsextremisten am 20. November – dem Todestag des spanischen Diktators Franco – an der Universität Complutense in Madrid teilgenommen zu haben. Nach Angaben des Innenministeriums seien die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen. Es ist den Angaben zufolge daher nicht ausgeschlossen, daß es zu weiteren Festnahmen kommt.

Am Donnerstag abend versammelten sich Freunde und Unterstützer der Festgenommen vor der Polizeiwache in Moratalaz, einem Vorort von Madrid. Dorthin waren einige der am Morgen Festgenommen gebracht worden. Die Polizei löste die Versammlung unter dem Einsatz von Schlagstöcken auf. Die Tageszeitung El País berichte, daß dort weitere elf zumeist jugendliche Demonstranten festgenommen wurden.

Anlaß der Razzien war eine Auseinandersetzung zwischen Antifaschisten und Anhängern der rechten Studentenorganisation »Foro Universitario Francisco de Vitoria« auf dem Campus der Universität. Mehrere hundert Antifaschisten hatten gegen die Zusammenkunft der ultra-katholischen Gruppierung demonstriert. Nach Angaben des Internetportals Público.es sei es in der Rechtsfakultät zu einer Auseinandersetzung gekommen. In einem Büro des »Foro Universitario Francisco de Vitoria« wurden fünf Rechte bei Tumulten leicht verletzt.

Unter den jetzt Festgenommenen seien teils bekannte Aktive der verschiedenen sozialen Bewegungen der Stadt, meldete El País unter Bezugnahme auf Angaben der Polizei, darunter auch ein Führungsmitglied der linken Fangruppierung Bukaneros des spanischen Fußballerstligisten Rayo Vallecano. Die Bukaneros sind für ihre radikale Kritik an der Kommerzialisierung des Fußballs sowie für ihre engen Verbindungen zu antifaschistischen Gruppen in Madrid bekannt. Unter den Festgenommenen sei auch eine bekannte Feministin – Angehörige bestritten jedoch noch am Donnerstag, daß sie sich am Tag des Vorfalls überhaupt an der Universität aufgehalten habe – sowie mehrere Anarchosyndikalisten der Gewerkschaft CNT und ihrer Jugendorganisation.

Auch Angehörige der marxistischen Organisation Izquierda Castellana (Kastilische Linke) wurden festgenommen. Diese äußerten in einem Kommuniqué, die Repression sei Ausdruck des »Legitimitätsverlusts der Regierung«. Es sei darüber hinaus kein Zufall, daß die Festnahmen genau einen Tag vor einem Treffen der Innenminister der spanischen Regionen stattfanden. Am Freitag wurde über ein neues »Gesetz für Bürgersicherheit« beraten.