Archiv für Oktober 2013

Rezension: Im Schweiß gereift

25 Jahre Wahrschauer»Gibt’s nicht« für alle: Dem Berliner Punkrock-Fanzine Wahrschauer zum 25. Von Florian Osuch. Florian Osuch, junge Welt, 29.10.2013
Die Macher der Berliner Musikzeitschrift Wahrschauer feiern mit stolzgeschwellter Brust ein Wiegenfest, das sie wohl selbst kaum für möglich gehalten hätten. »Unglaublich: Ein Vierteljahrhundert!« beginnt die aktuelle Ausgabe des »Magazins für Gegenkultur«, das erstmalig 1988 in Westberlin erschien. »25 Jahre gereift im Dienst für Rock’n’Roll und Rebellion – zwar nicht im Eichenfaß, dafür aber im Bierdunst und Schweiß der Szene«, so die Redaktion. Der Ansatz, Musik und Politik zu verknüpfen, steht für sie »mehr denn je wie eine eins«, Subkultur bleibe eine Keimzelle der Revolution. (mehr…)

20 Jahre nach Anschlag: »I am truly sorry«

20 Jahre nach Anschlag in Belfast
Foto: flickr/hanszinsli (CC BY-NC-ND 2.0)

Nordirland erinnert an Anschlag vor zwanzig Jahren. Attentäter bittet um Verzeihung. Florian Osuch, junge Welt, 23.10.2013

In Belfast wird heute an die Opfer eines Bombenanschlags der IRA vor 20 Jahren erinnert. Angehörige und Freunde wollen sich vor einem ehemaligen Fischgeschäft auf der Shankill Road versammeln, einer beliebten Einkaufsstraße und Hochburg pro-britischer Paramilitärs in Nordirland. Am 23. Oktober 1993 starben dort zehn Menschen, als ein Sprengsatz explodierte. Neben acht Zivilisten wurden ein Mitglied der pro-britischen Miliz »Ulster Defence Association« (UDA) sowie der Attentäter getötet. (mehr…)

Gedenken an eine Internationalistin

Andrea Wolf - Gedenken an eine Internationalistin
Foto: indymedia

Andrea Wolf ging nach Kurdistan. Das türkische Militär tötete sie 1998. Florian Osuch, junge Welt, 11.10.2013

Aktivisten der Solidaritätsbewegung für den kurdischen Freiheitskampf erinnerten am Mittwoch abend auf einer Veranstaltung in Hamburg an die vor 15 Jahren getötete Andrea Wolf. Die gebürtige Münchnerin hatte sich Mitte der 1990er Jahre der Kurdischen Arbeiterpartei (PKK) angeschlossen. Im Oktober 1998 wurde sie vom türkischen Militär umgebracht, die genauen Umstände sind bis heute nicht geklärt. Wolfs Einheit der »Volksbefreiungsarmee Kurdistans« wurde von türkischen Soldaten nahe der Ortschaft Catak im äußersten Südosten der Türkei angegriffen, insgesamt 24 Personen starben. Augenzeugen wollen gesehen haben, wie Ronahî – so Wolfs Name bei der Guerilla – zunächst gefangengenommen, verhört und dann getötet worden sei. Nach Angaben der Frankfurter Rundschau bestätigten türkische Behörden damals Datum und Ort des Gefechts, äußerten sich jedoch nicht zum Verbleib der 33jährigen Deutschen. (mehr…)

Rechtes Treffen »völlig unterschätzt«

Kaum Proteste gegen den »Zwischentag« in Berlin. Italienischer Neofaschist »Stargast« auf Vernetzungstreffen. Florian Osuch, junge Welt, 9.10.2013
Am vergangenen Sonnabend kamen mehrere hundert Besucher zum »Zwischentag«, einem Vernetzungstreffen der sogenannten Neuen Rechten, nach Berlin-Wilmersdorf. Hinter der als »freie Messe« deklarierten Veranstaltung steht Götz Kubitschek von der rechten Zeitschrift Sezession und Inhaber des Verlags Antaios. Mitorganisator der Tages- und Abendveranstaltung ist nach Antifa-Angaben Karlheinz Weißmann vom »Institut für Staatspolitik« (IfS) sowie Felix Menzel vom rechtskonservativen Onlinemagazin Blaue Narzisse. Die Zeitschrift Sezession ist das Hausblatt der rechten Denkfabrik IfS. Nach einer Analyse des Antifaportals Recherche & Aktion handelt es sich beim »Zwischentag« um eines der »maßgeblichen Vernetzungstreffen publizistischer Organe der Neuen Rechten«. (mehr…)

Polizeigewalt in Derry

Polizeigewalt in Derry - 1968 Jahren eskalierte in Nordirland der Protest für mehr Bürgerrechte
Wandbild in Derry
Foto: flickr/damiandude (CC BY-NC 2.0)

Vor 45 Jahren eskalierte in Nordirland der Protest für mehr Bürgerrechte. Florian Osuch, junge Welt, 5.10.2013

Fast 30 Jahre führte die Irisch Republikanische Armee (IRA) einen Guerillakrieg gegen die britische Besatzung. Inzwischen ist mit dem Friedensabkommen von 1998 eine relative Ruhe eingekehrt. Ein Auslöser für die Eskalation war das brutale Vorgehen der Polizei gegen die Bürgerrechtsbewegung Northern Ireland Civil Rights Association (NICRA) Ende der 1960er Jahre. So am 5. Oktober 1968, als die NICRA in Derry demonstrierte und die berüchtigte britische Polizei Royal Ulster Constabulary (RUC, auch »B-Specials« genannt) brutal gegen die Teilnehmer des Marsches vorging. Die anwesenden Fernsehteams sendeten die Bilder der prügelnden Polizisten um die Welt.

Irische Katholiken bildeten in Nordirland die Minderheit. Mit der Teilung des Landes Anfang der 1920er Jahre und der Gründung des »Irish Free State« (siehe jW vom 1.12.2012) hatte London im Norden einen spätkolonialen Zweiklassenstaat gegründet. Einen »Protestant State for Protestant People«. Iren wurden bei der Vergabe von Jobs und der Zuweisung von Sozialwohnungen diskriminiert. Es gab politische Verfolgungen, Schikanen durch die Polizei und ein eingeschränktes Wahlrecht. (mehr…)

Treffen elitärer Rechter

Neurechte Messe in Berlin am Sonnabend. Kundgebung von Antifaschisten gegen den »Zwischentag«. Florian Osuch, junge Welt, 5.10.2013
Am Sonnabend wollen Antifaschisten gegen ein Netzwerktreffen der Neuen Rechten in Berlin protestieren. »Rechte Hegemonie is’ nich’« wollen sie den voraussichtlich mehreren Hundert Teilnehmern zum sogenannten »Zwischentag« entgegenhalten. Die Veranstaltung ist als »freie Messe« deklariert und findet im bürgerlichen Bezirk Wilmersdorf statt. (mehr…)

Pogromstimmung in Berlin-Hellersdorf

Refugees Welcome Hellersdorf
Hellersdorf, 20. August 2013
Foto: flickr/ekvidi (CC BY-NC 2.0)

Dubiose Bürgerinitiative mit Insiderinformationen. Florian Osuch, SoZ, 1.10.2013
In Berlin eskalierte im Sommer die Debatte um eine Unterkunft für Asylsuchende im Bezirk Hellersdorf. Mehrere Wochen hielten die Vorkommnisse um das ehemalige Schulgebäude in der Carola-Neher-Straße die Stadt in Atem. Bundesweit wurde über den rassistischen Protest von Anwohnern, eine selbsternannte «Bürgerinitiative Marzahn-Hellersdorf», und deren Unterstützung durch die NPD berichtet.

Lange interessierte sich niemand für das leerstehende Gebäude am östlichen Außenrand von Berlin, bis das Bezirksamt auf einer Versammlung am 7. Juli über die zukünftige Nutzung informierte. Da hatte sich längst rumgesprochen, dass dort Flüchtlinge einziehen würden. Zur Veranstaltung kamen statt der erwarteten 400 bis zu 1.000 Zuhörer. Bezirksbürgermeister Stefan Komoß (SPD) und Vertreter des Bezirksamts wurden immer wieder durch rassistische Schmährufe und die Parole «Nein zum Heim» unterbrochen. Neonazis aus Berlin und Brandenburg hatten sich unter die Anwohnerschaft gemischt. In der jungen Welt war später zu lesen, dass «Kader von ‹Pro Deutschland›, ‹Die Freiheit›, … der Kernbelegschaft des ‹Nationalen Widerstands Berlin› und NPDler aus den Berliner Bezirken» zugegen waren. Sie peitschten die Stimmung immer wieder auf. (mehr…)