Verhandlungen mit Türkei, Krieg in Syrien

Rezension: Der Kurdistan ReportRezension: Der Kurdistan Report. Florian Osuch, junge Welt, 12.8.2013
Im Mittelpunkt der Sommerausgabe des Kurdistan Reports stehen die anhaltenden Proteste gegen die autoritäre AKP-Regierung in der Türkei, die Perspektive eines dauerhaften Friedens für die kurdische Bevölkerung sowie die grundlegenden Veränderungen im Mittleren Osten.

Songül Karabulut vom Kurdischen Nationalkongreß schreibt darüber, wie die Friedensverhandlungen zwischen der PKK und türkischen Vertretern innerhalb der kurdischen Bewegung debattiert werden. Dazu fand Ende Mai in Ankara die erste von vier geplanten »Konferenzen für eine demokratische Lösung« statt. Bis zu 500 Personen nahmen daran teil.

In einem Interview geht Süleyman Sahin, Mitglied im Kommandorat der Volksbefreiungskräfte (HPG), auf die Situation des bewaffneten Widerstandes ein. Der auf der türkischen Insel Imrali inhaftierte PKK-Chef Abdullah Öcalan hatte zum kurdischen Neujahrsfest Newroz, am 21. März 2013, im Namen der HPG eine Waffenruhe angekündigt. Anfang Mai zogen sich die ersten Kämpfer Richtung Südkurdistan (Nordirak) zurück. Nach Auffassung von Sahin befindet sich die PKK »in der stärksten Phase ihrer Geschichte«. Dies mache für alle politischen Akteure im Mittleren Osten eine Neubewertung seiner Guerilla notwendig. Niemand können dort agieren, »ohne die PKK mit einzukalkulieren«.

Zwei Beiträge beschäftigen sich mit der Situation in den kurdischen Gebieten Syriens, die hier als Westkurdistan bezeichnet werden. Salih Muslim, Funktionär der Partei der Demokratischen Union (PYD), erläutert das Projekt des »Demokratischen Mittleren Ostens«. Die Bevölkerung der gesamt Region müsse selbst über ihre Belange entscheiden können – im Gegensatz zum westlichen Konzept »Greater Milde East Projekt«, in dem Interessen ausländischer Mächte im Vordergrund stehen. »Der Mittlere Osten bebt«, sagt Salih Muslim. Er ist optimistisch, daß daraus »tiefergreifende Veränderungen hervorgehen«, als dies bei »vorherigen Erschütterungen« der Fall gewesen war. In einem Gespräch äußert sich Asya Abdullah, ebenfalls von der PYD, zur Frage der demokratischen Autonomie in den syrischen Kurdengebieten. Sie spricht von einer Revolution, die ihr Land erlebe, und daß die Bevölkerung »große Errungenschaften« verzeichnet habe. In den von der PYD kontrollierten Gebieten werde eine neue Ordnung aufgebaut, die »keine Unterschiede zwischen den gesellschaftlichen Gruppen« kenne. Doch immer wieder würden Aufständische und Truppen des Baath-Regimes die befreiten Städte und Dörfer angreifen.

Daneben gibt es Artikel zur Repression gegen Kurden in der Türkei und in der EU und einen Nachruf auf Lilo Wolf, Mutter der im Jahr 1998 in Kurdistan getöteten Internationalistin Andrea Wolf.

Kurdistan Report, Nr. 168, Juli/August 2013, 3 Euro, 64 Seiten, Bezug: Kurdistan Report, c/o, ISKU, Spaldingstr. 130–136, 20097 Hamburg, ­E-Mail: kr@nadir.org