Drohne gegen Antifa

United Against FascismNazigegner blockierten BNP-Festival in England. Massiver Polizeieinsatz.
Florian Osuch junge Welt 19.8.2009

Am vergangenen Samstag demonstrierten mehr als 2000 Antifaschisten in England gegen ein zweitägiges Festival der British National Party (BNP). Mehrfach gelang es den Nazigegnern, Zufahrtswege zu dem Treffen zu blockieren. Die Polizei war mit einem Großaufgebot vor Ort und nahm mehrere Personen fest. Die BNP veranstaltete nahe des Dorfes Codnor nordwestlich von Nottingham zum zehnten Mal ihr jährliches »Red, White & Blue-Festival«.

Nach Angaben des antifaschistischen Netzwerkes United Against Fascism formierte sich zunächst ein Zug mit 2000 Demonstranten am Marktplatz von Codnor. Anschließend blockierten rund 500 Personen eine Verbindungsstraße. Weyman Bennett von United Against Fascism zeigte sich zufrieden mit dem Verlauf der Proteste: »Wir mobilisierten in diesem Jahr mehr Gegendemonstranten als die BNP Teilnehmer zu ihrem ›Festival des Hasses‹«. Bennett berichtete, die Anreise von Gästen und Referenten des Neonazispektakels sei behindert worden und für einige unmöglich gewesen.

Das eigentliche Ziel, das Gelände einzukesseln, scheiterte jedoch am massiven Aufgebot der Polizei. Die Beamten lösten die Blockaden auf und nahmen 19 Personen fest. Nach Angaben von BBC setzten die Sicherheitskräfte zur Überwachung der Nazigegner eine Drohne ein, die das Geschehen aufzeichnete. Anschließend wurden gegen vier Personen Verfahren eingeleitet. Im vergangenen Jahr war es an gleicher Stelle zu Ausschreitungen zwischen Antifaschisten und der Polizei sowie 30 Festnahmen gekommen.

Die Neonazipartei hatte von Samstag morgen bis Sonntag nachmittag ein straffes Programm. Neben Reden des Parteichefs Nick Griffin waren elf Regionalvorträge Schwerpunkt des Festivals. Bereits einen Tag vor dem Treffen hatten britische Behörden dem US-amerikanischen Neonazi Preston Wiginton, einem Freund von BNP-Chef Nick Griffin, die Einreise verweigert. Wiginton, der an dem BNP-Treffen teilnehmen wollte, wurde zur »unerwünschten Person« erklärt, weil er 2007 eine antiislamische Veranstaltungsreihe an drei US-Universitäten organisiert hatte.

Bei der Abstimmung zum Europaparlament am 7. Juni konnte die BNP erstmals zwei Mandate erringen. Griffin gewann mit acht Prozent einen Sitz in der Region North West und sein Parteikollege Andrew Brons mit 9,8 Prozent in der Region Yorkshire. Im Landesdurchschnitt lag die BNP bei 6,3 Prozent. Ebenso konnte die Partei bei den am selben Tag stattfindenden Kommunalwahlen erstmals Sitze in drei County-Vertretungen gewinnen. Der Höhenflug der Organisation ist auch deshalb beachtenswert, weil sie in den vergangenen anderthalb Jahren zwei Skandale bewältigen mußte. Ende 2007 und Anfang 2008 verließen mehr als 60 Funktionäre die Partei wegen inhaltlicher Kontroversen. Im November 2008 wurde dann eine interne Mitgliederliste mit 10000 Datensätzen unter anderem mit Adressen, Telefonnummern sowie Berufsangaben veröffentlicht. Dies war brisant, weil beispielsweise Beschäftigte der Polizei seit 2004 entlassen werden können, wenn eine BNP-Mitgliedschaft nachgewiesen wird.

Infos: www.uaf.org.uk