Franco-Banner über dem Montjuïc

Neonaziaufmärsche zum Nationalfeiertag in Spanien. Verletzte bei Antifa-Demo
Florian Osuch junge Welt14.10.2008

In Spanien haben sich zum Nationalfeiertag am Sonntag mehr als eintausend Neonazis an Aufmärschen beteiligt. Der Schwerpunkt der diesjährigen Aktivitäten lag in der katalanischen Region, darunter in der Metropole Barcelona, und in Valencia. Seit Jahrzehnten zelebrieren spanische Nationalisten und Neonazis den »Tag der Hispanität«, der in kolonialistischer Tradition an die spanische Besetzung Lateinamerikas nach der Entdeckung des Kontinents durch Christopher Columbus im Jahr 1492 erinnert.

In Barcelona versammelten sich rund 500 Anhänger der rechtsextremen Partei »Democracia Nacional« auf dem Berg Montjuïc. An der Veranstaltung nahmen junge Neonazis ebenso teil wie ältere Anhänger des Diktators Francos. Diese ließen hoch über Barcelona Banner aus Zeiten des faschistischen Spaniens wehen.

An einer linken Demonstration am Vormittag nahmen rund 400 meist junge Antifaschisten teil. Aufgerufen hatte ein Bündnis verschiedener Organisationen der linken katalanischen Unabhängigkeitsbewegung. Spezialkräfte der Polizei Mossos d’Esquadra gingen nach wenigen hundert Metern mit Schlagstöcken gegen die Teilnehmer vor und setzte sie für mehrere Stunden fest. Einzig fünf durch Hiebe verletzte Personen konnten den Polizeikessel verlassen und wurden ärztlich betreut [Bericht]. Vertreter von Gewerkschaften und Parteien blieben den antifaschistischen Protesten fern. Bereits am Vorabend konnten rund 50 Antifaschisten auf den Platz der Neonazikundgebung gelangen. Ein Dutzend Personen kettete sich an Bäumen fest und entrollte Transparente mit der Aufschrift »12. Oktober – es gibt nichts zu feiern!«.

In den Abendstunden kam es in Valencia zu einem weiteren Aufmarsch. Die Partei »España 2000« mobilisierte unter der Losung »Ich bin stolz eine Spanier zu sein« bis zu 600 vor allem junge Rechtsextremisten. Rund 50 junge Antifaschisten protestierten abgeschirmt von der Polizei gegen den Aufmarsch.

Der Großraum Valencia bildet das Zentrum der extremen Rechten in Spanien. Erst am vergangenen Freitag hatte die Neonazipartei »Alianza Nacional« (AN) den deutschen Rechtsterroristen Manfred Roeder zu einer Veranstaltung eingeladen. In einem offenen Brief wandte sich das Simon-Wiesenthal-Center an den spanischen Innenminister Alfredo Pérez Rubalcaba und forderte ein Verbot der Konferenz.

Der Kontakt zwischen deutschen und spanischen Neonazis hat sich in den vergangen Jahren intensiviert. Zuletzt trat eine Delegationen spanischer Rechtsextremisten beim gescheiterten »Anti-Islamisierungskongreß« in Köln auf. Deutsche Neonazis zieht es dagegen als Referenten nach Spanien. Neben Roeder sprach erst vor wenigen Wochen der ehemalige NPD-Vorsitzende Günter Deckert auf Veranstaltungen in Madrid, Barcelona und Valencia.

Info: www.antifeixistes.org | www.cajei.cat | www.endavant.org