Archiv für Dezember 2007

Das Schweigen brechen

Plakat Oury JallohOury Jalloh starb vor drei Jahren in Dessau. Konferenz und Demonstration fordern Aufklärung. Florian Osuch junge Welt 31.12.2007

Am kommenden Wochenende finden in Berlin und Dessau Aktionen und Veranstaltungen statt, die an den Tod von Oury Jalloh vom 7. Januar 2005 erinnern. Unter dem Titel »Break the Silence« (Brecht das Schweigen) fordern die Veranstalter die Aufklärung der Todesumstände. Zunächst ist am Samstag im Berliner Mehringhof eine Konferenz für die Opfer rassistischer Polizeigewalt geplant. Am Sonntag finden im Dessauer Beat Club eine Black-Africa-Konferenz und am Montag – dem dritten Todestag des Asylbewerbers – eine Gedenkdemonstration statt.
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»Wer zu den Neonazis geht, endet als Mörder«

Adolf BurgerGespräch mit Adolf Burger. Er ist einer der letzten Überlebenden der Falschgeldwerkstatt im KZ Sachsenhausen. Auf Befehl der SS mußten dort 144 Juden Dokumente, Pässe sowie Banknoten im Wert von mehreren Milliarden Pfund drucken. Heute lebt Burger in Prag und hält regelmäßig Vorträge vor Schülern.
Florian Osuch junge Welt 27.12.2007

Sie halten als Zeitzeuge und Überlebender des Faschismus viele Vorträge vor Schulklassen. Zuletzt vergangene Woche in Berlin. Dabei waren erneut auch Schüler, die mit der rechten Szene sympathisieren. Wie verhalten Sie sich?

Meistens merke ich schnell, wenn unter den Zuhörern Schüler mit einer rechten Gesinnung sitzen. Das stört mich wenig, weil sie meistens schnell ruhig sind und bleich im Gesicht werden. Für diese Jugendlichen – wie für die meisten anderen übrigens auch – ist es oft das erste Mal, daß sie einen Überlebenden von Auschwitz, Birkenau und Sachsenhausen vor sich haben. Ich bringe ja auch Bilder und Dokumente mit und zeige ihnen meine tätowierte Häftlingsnummer, so daß niemand sagen kann, die KZ habe es nicht gegeben.
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Glücksspielressourcen

In der spanischen Wüste soll eine Art Las Vegas entstehen. Womöglich werden die Wasser- über den Bierpreisen liegen.
Florian Osuch junge Welt 20.12.2007

Vor einigen Tagen wurden in Spanien Pläne für ein Megaprojekt in Aragón publik gemacht. Die Medienkampagne war angemessen groß angelegt. In der Region Aragon, 50 Kilometer östlich von Zaragoza (Expostadt 2008), soll ein neues Tourismuszentrum entstehen, ein europäisches Las Vegas. 32 Casinos mit bis zu 40000 Automaten, 70 Hotels, 232 Restaurants, 500 Einzelhandelsgeschäfte, dazu Golfplätze, Vergnügungsparks, eine Pferderennbahn, eine Stierkampfarena. Bis 2015 soll das alles aus dem Boden gestampft werden. Aus Steppenboden wohlgemerkt.
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Regelfall Folter

Zwei Verfahren gegen Polizisten in Barcelona. Florian Osuch junge Welt 18.12.2007

Heute beginnt in Barcelona der Prozeß gegen sieben spanische Polizisten wegen Folter und Körperverletzung. Darunter sind auch vier Beamte der »Brigada Provincial d’Informació« (BPI), einer polizeilichen Sondereinheit für politische Delikte in der Stadt.

Es geht um einen Fall vom 4. Oktober 2004, als drei junge Männer im Stadtteil Sants aufgegriffen wurden. Kurze Zeit zuvor waren Molotow-Cocktails auf eine Polizeiwache im gleichen Bezirk geworfen worden – als Reaktion auf die Räumung des besetzten Zentrums La Hamsa wenige Monate zuvor. Die Polizei hielt die jungen Männer für die Täter und überführte sie auf eine Wache. Nach Angaben der Festgenommenen wurden sie dort geschlagen und verletzt.
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Mörder im Dienst der Krone

Collusion = Statemurder Belfast RUC British Army UVF UFF UDA
Demonstration in Belfast, flickr/PPCC Antifa (CC BY-NC-SA 2.0)

Europäischer Gerichtshof: Britische Sicherheitskräfte unterstützten Todesschwadronen in Nordirland. Polizei behinderte Untersuchungenr. Florian Osuch junge Welt 10.12.2007

Der Europäische Gerichtshof in Strasbourg hat jetzt festgestellt, daß britische Sicherheitskräfte bei ihrem Einsatz in Nordirland weit mehr in Morde und Anschläge auf Zivilisten verstrickt gewesen sind, als bisher angenommen. In einer Klage hatten sich acht Familien zusammengeschlossen, deren Angehörige in den 1970er und 1980er Jahren in den nordirischen Regionen Mid-Ulster und South Armagh getötet wurden. Bisher galten in der Regel probritische Paramilitärs, die mit Waffengewalt für den Verbleib Nordirlands beim Vereinten Königreich kämpfen, als alleinige Täter.
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