Sinn Féin legt zu

Logo Sinn FéinNordirland: Republikaner zweitstärkste Kraft. Radikalisierung im probritischen Lager
Florian Osuch junge Welt 9.5.2005

Mit Verkündung des nordirischen Wahlergebnisses in der Nacht zum vergangenen Samstag stand fest: Der politische Aufstieg von Sinn Féin (SF) hat sich auch bei der Wahl zum britischen Parlament fortgesetzt. Seit Jahren kann die links-nationalistische Partei unter Vorsitz von Gerry Adams bei Wahlen in Irland und Großbritannien ihren Stimmenanteil erhöhen. Nun wird Sinn Féin erstmals fünf Abgeordnete, einen mehr als zuvor, nach London entsenden.

Im Wahlkreis Newry/Armagh konnte sich Conor Murphy gegenüber dem sozialdemokratischen Kandidaten der SDLP durchsetzen. Insgesamt konnte SF ihr Ergebnis auf 24,5 Prozent der Stimmen steigern – ein Plus von drei Prozent, das die Partei zur zweitstärksten Kraft im Norden Irlands macht.

Die Parlamentarier von Sinn Féin werden ihr Mandat in London jedoch erneut nicht wahrnehmen, weil sie dafür einen Eid auf die britische Krone ablegen müßten. Diesen verweigern sie, da sie das englische Königshaus generell ebenso ablehnen wie die britische Herrschaft in Nordirland.

Eine große Schlappe mußte die moderate Ulster Unionists Party (UUP) unter Führung von David Trimble hinnehmen. Sie verlor fünf ihrer bisher sechs Sitze und rutschte auf 17,8 Prozent ab (vorher 26,8 Prozent). Die bürgerliche irische SDLP verlor weiter an Stimmen und kommt nun auf 17,6 Prozent (vorher 21 Prozent). Sie kann jedoch erneut drei Abgeordnete nach Westminster schicken, weil sie sich im umkämpften Südbelfast gegen einen Vertreter der UUP durchsetzen konnte.

Großer Wahlgewinner ist die rechtsextreme Democratic Unionist Party des fanatischen Predigers Ian Paisly. Sie konnte ihr Ergebnis von 22,5 Prozent auf 33,9 Prozent steigern und schickt jetzt neun Abgeordnete (vorher fünf) nach London. Mit der Radikalisierung im probritischen Lager wird eine Friedenslösung und politische Selbstbestimmung der Unruheprovinz weiter erschwert. Ian Paisly verweigert weiterhin jegliche Zusammenarbeit mit Sinn Féin.

Für Beobachter kam der Erfolg von Sinn Féin überraschend, weil die Partei als angeschlagen galt. Mehrere IRA-Mitglieder waren nach dem größten Banküberfall in der Geschichte Nordirlands – im Dezember 2004 waren 26,5 Millionen Pfund geraubt worden – als Tatverdächtige festgenommen worden. Es ist zwar nicht geklärt, ob der Bankraub tatsächlich eine Geldbeschaffungsaktion der IRA war – allein die vermeintliche Verstrickung von IRA-Mitgliedern sorgte dafür, daß der Friedenswille der Untergrundorganisation sowie von Sinn Féin im ganzen angezweifelt wurde. Das aktuelle Wahlergebnis für Sinn Féin demonstriert allerdings, daß ein Großteil der Bevölkerung mehr denn je hinter dem Friedenskurs der Partei steht.

Info: www.sinnfein.ie